Donnerstag, 25. April 2013

Freiheit

Wohl kaum ein anderes Ereignis ist so sehr zum Sinnbild der 68-er Bewegung geworden wie das Musikfestival in Woodstock. Vieles lief chaotisch ab. Wer, wann, wie lange und was spielen sollte, war  eine Mischung aus Improvisation und Zufall. Wer, wann, wie lange gespielt hat und was gespielt wurde, daran kann sich - einem gängigen Bonmot folgend - niemand mehr erinnern, der wirklich dabei war. Der Dokumentarfilm gibt darüber nur bedingt Auskunft.

Wenn es auch nicht der erste Song war, der die neue Generation bei ihrer ersten Vollversammlung erreicht hat, so war es sicherlich der programmatischste: FREEDOM - Freiheit wurde verkündet. Dem Vernehmen nach eine eher hilflose Improvisation eines Sängers, der vor und nach Woodstock kaum von sich reden machte. Sein Name verband sich an jenem Augusttag 1969 für immer mit dem ländlichen Ort im Bundesstaat New York: Richie Havens.

Man muss sich das vorstellen: Rund eine halbe Million Menschen, nicht wenige von ihnen unter Einfluss diverser Drogen, warten darauf, dass die erste Gruppe zu spielen beginnt. Doch die kommt nicht, und so wird der eher unbekannte Richie Havens auf die Bühne komplementiert. Er singt einen Song, dann noch einen Song, irgendwann geht er zu Zugaben über, er singt Zugabe über Zugabe, weil die Veranstalter nicht wissen, wer nach ihm auf die Bühne soll. Hilflos singt er seine letzte Zugabe. Eben: Freedom.

Sometimes, I feel, like a motherless child. So muss er sich wirklich vorgekommen sein, schweissdurchtränkt, da draussen vor dieser Masse von Blumenkindern. Und irgendwie hilflos ist sich vielleicht die ganze  Generation von jungen Menschen vorgekommen, die mit den Werten und dem Lebensstil ihrer Eltern so radikal gebrochen haben und damit späteren Generationen den Weg zu mehr - jawohl - Freiheit öffneten. Denn so sehr man die 68-er für vieles zurecht kritisiert - ich möchte nicht zurück in die Zeit vorher. Um keinen Preis.

Richie Havens ist vor einigen Tagen an Herzversagen gestorben. Seine Botschaft lebt weiter. (Wo ist das Phrasenschwein?)




4 Kommentare:

  1. Schön, einmal wieder etwas von dir zu hören!

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  2. Phrasenschwein? Hihi...Brauche ich auch!
    Willkommen zurück und erzähl mal, wie es so war ohne uns :).
    Woodstock! Oh ja! Ich habe den Film unzählige Male gesehen. Damals, als ich die Natur geraucht habe und meine Kleider aus Indien kamen, grins!
    Joan Baez... ich habe immer ein Tränchen verdrückt. So schön!

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  3. Na endlich! Wurde aber auch langsam Zeit! Welcome back! :-)

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  4. ... auch von mir. Willkommen zurück.

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