Ganz so fühlt es sich für mich an, wenn ich eine Woche lang nichts in mein Blog schreibe. Gut drei Tage nach einem Post bin ich noch voller Ideen, wie ich Fussball, Kant und Radiohead in einem brillanten Essay zu einem stimmigen Ganzen vereinen könnte, doch dann, so etwa bei Tag vier, habe ich vergessen, worüber ich eigentlich schreiben wollte. Und jeder Tag, der blogtechnisch gesehen ereignislos ins Land zieht, lässt den Schwung weiter erlahmen.
So hole ich denn nun also eventuell und mit vielen weiteren sinnlosen Füllwörtern versetzt Anlauf, halte mich an den Seilen, verlagere mein Gewicht nach hinten und strecke meine Beine von mir, auf dass die Castorpschaukel wieder in Schwung kommt. Was liegt an? Sprechen wir doch etwas über Literatur:
1. Arno Geigers Roman Alles über Sally ist seit längerer Zeit abgeschlossen. Ich musste wieder einmal die Erfahrung machen, dass mir gegenüber im Voraus gelobte Bücher nicht das halten, was das Lob versprochen hat. Was soll ich mit dem trantütigen Alfred und seiner Frau Sally anfangen. Sally, die nicht nur hinter dem Rücken ihres Mannes, sondern auch ihrer Freundin Nadja mit deren Mann Erik herummacht. Von Arno Geiger kenne ich schon "Alles wird gut", und auch dort scheint mir die Hauptperson, an deren Namen ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, auf der eingangs erwähnten Schaukel ohne Anrieb zu sitzen. Was ist das Fazit von "Sally"? Irgendwann heiratet man, weil es irgendwie passt, und irgendwie geht es dann weiter, und irgendwie passieren dann Seitensprünge und Abnutzungserscheinungen, und irgendwie wird man älter und bleibt zusammen. Die aufregendste Entscheidung, die Alfred am Ende trifft: Er überlegt sich eine Operation seiner Krampfadern.
2. A propos Bücher. Auch schon längst ausgelesen ist Oliver Schotts Lob der offenen Beziehung. Es kommt nie gut, wenn sich Philosophen auf psychologisches Terrain begeben. (Noch desaströser wird es, wenn umgekehrt Psychologen im Philosophischen wildern). Das Buch ist aber dennoch interessant, zum Teil hochinteressant. Nicht, weil ich dessen Aussagen unterstützen würde, aber weil es wohltuend war, wieder einmal stringente Argumentationen zu lesen und nachzuvollziehen. Insofern stimmt Schotts Anweisung am Anfang seines Buches nicht ganz für mich: Dieses Buch richtet sich an Menschen, die grundsätzlich die Ansicht teilen, dass dieser Zustand (gemeint ist die mangelhaft funktionierende Monogamie) nicht ideal ist. Als Philosoph müsste Schott wissen, und er weiss es auch, dass Ideale immer hochverdächtig und in keinem Fall erstrebenswert sind.
3. Auf Eis hingegen liegt Brett Kahr: Sex im Kopf. Alles über unsere geheimsten Fantasien. Sexuelle Phantasien sind nur dann aufregend, wenn es die eigenen sind. Das ist alles, was es dazu zu sagen gibt.
4. Aufregend hingegen ist der Roman Strategie von Adam Thirlwell. Warum ich den jetzt gerade erwähne, weiss ich auch nicht, denn ich habe ihn vor Jahren gelesen. Wer aber im Sommer mal wieder etwas wirklich Schweinisches lesen will, soll sich das Buch zulegen. Aber Achtung, und das meine ich in vollem Ernst: Im Buch kommt zwar ziemlich viel Sex vor, aber es geht nicht um Sex.
5. Passend und aktuell hingegen dieses Buch, das mir in die Hände gefallen ist: Philipp Lahm: Der feine Unterschied. Wie man heute Spitzenfussballer wird. Wir gleich meine nächste Lektüre heute Abend.
6. Dann sind da noch: Hanns-Joseph Ortheil: Faustinas Küsse, Verlangen nach Liebe und Liebesnähe. Irgendwie hat es mir der Autor angetan.
7. Anna Gavalda: Alles Glück kommt nie. War ein Tipp von der platonisch-literarischen Freundin. Uns verbinden die Söhne, die Fussball spielen und eben... die Literatur. Na ja, die Sally von Arno Geiger geht aber auch auf ihr Konto.
8. Bundesratsgatte Lukas Hartmann: Finsteres Glück. Weil es die Lesegruppe verlangt.
Fazit: Der Lesesommer kann kommen. Obwohl: Ich werde in den Sommerferien eine Woche lang in Berlin sein. Was kann man da übrigens mit Kindern machen? Die wollten nämlich dahin.












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