Dienstag, 12. Juni 2012

Gott helfe mir!

Bei der Konzeption meiner Fürbitte für das Brautpaar von letztem Sonntag habe ich unter anderem auch den Rat eines Freundes eingeholt, der selber sehr religiös ist. Das war eine ungemein interessante Erfahrung. Nicht, dass ich viel mit seinem Rat hätte anfangen können, aber die Unterhaltung mit ihm war für mich sehr aufschlussreich darüber, wie religiöse Menschen ticken.

Zunächst stellte ich ihm mein inhaltliches Konzept vor: Mut zur Verschiedenheit und gegenseitiges Wohlwollen. Mein Freund reagierte reserviert. Das sei ja etwas, was das Paar aus sich selber schöpfen könne. Natürlich ist es das, habe ich ihm geantwortet. Ich wünsche den beiden, dass sie diese Ressourcen für ihre Ehe nützen können. Doch die Stirn meines Gegenübers blieb gerunzelt.

Wenn ich eine Fürbitte halte, dann müsse ich mich an Gott wenden, meinte er. Er weiss natürlich, dass mein Verhältnis zum Allmächtigen schon seit jeher etwas eingetrübt ist. Dennoch war es wieder einmal an der Zeit, ihn daran zu erinnern. Er blieb hart. Fürbitte bedeute, dass ich für das Paar bei Gott um etwas bitte. Dieses Etwas müsse ausserhalb des Einflussbereichs des Menschen liegen. Darum bitte man ja Gott. Also... Gesundheit zum Beispiel.

Ich verkniff mir die Bemerkung, dass man mit richtiger Ernährung, Verzicht auf Nikotin und mässigem Alkoholgenuss gepaart mit genug Bewegung auch viel zu seiner eignen Gesundheit beitragen könne. Schliesslich stimmt es schon. Man kann gesund leben und trotzdem mit 50 Krebs bekommen. Oder früher. Aber ich schweife ab.

Der Kern der Sache ist der: Religiöse Menschen haben ihre Aufmerksamkeit auf Dinge gerichtet, von denen sie (zurecht oder zuunrecht, das sei mal dahingestellt) annehmen, dass sie diese nicht beeinflussen können. Darum vertrauen sie auf Gott, der sie beschützen soll. Wenn es sie dann trotzdem trifft, dann wird Gott schon einen Grund gehabt haben, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder anderes Unheil  über sie zu schicken wie über das biblische Versuchskaninchen Hiob.

Opfer göttlichen Spieltriebs: Hiob

Nicht-Religiöse denken eher: Was kann ich selber tun? Zum Beispiel, um eine gute Ehe zu führen? Sie nehmen ihr Schicksal und ihr Leben selber in die Hand. Natürlich lauert immer die Gefahr, überheblich zu werden. Denn selbstredend sind wir dem Zufall ausgeliefert. Diejenigen, die den Zufall als Schicksal erleben, suchen schon wieder göttlichen Trost - denn Schicksal bedeutet, dass da jemand ist, der einem Gutes oder Schlechtes s c h i c k t.

Zum Abschluss meiner heutigen Wortmeldung eine musikalische Untermalung. Ein Mann ist von einer Frau abhängig. Sie verlässt ihn. Er steht vor dem Nichts. Er hat sein ganzes Sein auf SIE abgestützt, nicht auf sich selber. Jetzt sind die tragenden Mauern eingebrochen, das Haus droht jeden Moment einzustürzen. Der Song God Give Me Strength beschreibt diese Situation eindringlich. Und ebenso eindringlich führt uns Elvis Costello vor Augen, was für ein grossartiger Sänger er ist.


2 Kommentare:

  1. Dein Blog schreit nach einem neuen Fussballcontent! Diese betenden Hände und das Wort Gott in Zusammenhang mit dem Atheisten Castorp irritieren mich in meiner Blogroll! Gibt's nichts mehr zu schreiben über die EM? Und was ist aus der CD-Inventur geworden? Go for it!

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  2. Ich lasse mein Blog noch etwas schreien. Im Moment fällt mir nichts mehr ein.

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