Mittwoch, 14. Dezember 2011

Gedanken rund um die Bundesratswahl - Laus Helveticae!

Fernab von Euro- und Schuldenkrise, arabischem Frühling und Weltklimavertrag läuft in meinem kleinen Land im Herzen von Europa (ok, das trieft jetzt etwas, ich geb es zu), der Schweiz, ein politisch auf der Welt einzigartiger Vorgang - so wie alle vier Jahre: Das Parlament wählt die Regierung für die kommenden vier Jahre, also die Ministerinnen und Minister - wir nennen sie hier Bundesrätinnen und Bundesräte.


Also noch einmal langsam: Nicht ein Regierungschef wird gewählt, der dann seine Ministerien nach Gutdünken und Koalitionsvertrag besetzt, so wie sonst in anderen Demokratien, sondern das Parlament macht das gleich selbst. Dafür verzichten wir auf einen Regierungschef. 


Abbey Road in Bern... Aber warum sind da acht und nicht sieben??
So werden diesen Vormittag also jene Leute gewählt, die in den kommenden vier Jahren (voraussichtlich) als gleichberechtigte Kolleginnen und Kollegen die Geschicke dieses kleinen Landes lenken. Auch dies ist meines Wissens ein politisches Unikum. Nicht die geringe Zahl der Ministerien (wobei, auch da frage ich mich), sondern vielmehr die Tatsache, dass niemand von den sieben eine Cheffunktion innehat.

Jedes Jahr ein neues Bundesratsfoto. Vor vier Jahren als Suchbild gestaltet.

Die Leute, die in unserer Regierung sitzen, sind in der Regel aber keine Sesselkleber. Das dürfen sie ja auch nicht sein, denn sie haben eben keinen Chef, der sie heuern und feuern kann. Nach durchschnittlich gefühlten 6-8 Jahren, in welchen sie ihre wachsende Erfahrung in die Regierungsarbeit eingebracht haben, treten sie freiwillig zurück und machen frischen Kräften Platz. Von den oben abgebildeten sieben Ministerinnen und Ministern streben in diesen Stunden gerade mal zwei eine Wiederwahl an (und haben sie geschafft, nur so als aktuelle Zwischenmeldung).


Blankes Unverständnis
Dass ein Diktator wie Gadaffi vorgeschlagen hat, die Schweiz aufzulösen und sie entsprechend ihrer Sprachregionen Deutschland (Hey, dreimal Welt- und Europameister im Fussball auf einen Schlag!!), Frankreich und Italien  zuzuschlagen, zeigt nur, dass ein solcher Mensch von seinem Denken her nicht im Ansatz versteht, wie ein demokratisches System mit dezentraler Organisation funktioniert. Wie es sein kann, dass Menschen verschiedener Kulturen eine föderalistische Form des geregelten Zusammenlebens finden, an welcher alle Bürgerinnen und Bürger in maximalem Ausmass beteiligt sind. Ok, wir haben uns daraufhin auch so unsere Gedanken gemacht, wie man Libyen reorganisieren könnte....


Diese Pläne sind inzwischen vom Tisch. 


Ich bin überzeugt, dass dieses System die Mentalität der Leute, die in diesem Land wohnen, geprägt hat. Auch wenn ich mich in diesem Abschnitt aufs Glatteis begebe: Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir in der Schweiz eine genuine Abneigung haben gegen Autokraten, gegen charismatische Herrscher, gegen eine starke Hand, gegen zentrale Entscheidungsgewalten. Wenn es dann Querschläger gibt, die ihre Person zu sehr ins Zentrum stellen, werden sie auch schon mal vom Parlament aus der Regierung wieder rausgekickt. 


Und ich bekenne es, auch und gerade als politisch oft links denkender Bürger: Ich fühle mich hier wohl.


"Es lächelt der See, er ladet zum Bade"


Das alles heisst aber bei Weitem nicht, dass mein kleines Land im Herzen von Europa völlig unberührt ist von Eurokrise, Schuldenkrise, arabischem Frühling und Weltklimavertrag...

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