Donnerstag, 8. Dezember 2011

Heute vor 31 Jahren.....

..... starb in New York John Lennon. Ich möchte hier schreiben, warum er für mich der grösste Künstler dieses Jahrhunderts war.


Zeit des Aufbruchs. Woodstock 1969,
als die Beatles schon in Agonie waren.
Mit den Beatles prägte Lennon die 60-er Jahre. Und die 60-er Jahre prägten unsere Zeit, bis heute. Es war eine Zeit der Suche nach neuen Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Eine Zeit des Aufbruchs, und das im wörtlichen Sinn - "auf-brechen". Traditionen wurden aufgebrochen und für ein paar Jahre schien alles möglich - eine gerechte Gesellschaft, Frieden auf der Erde, unendliches Glück. Natürlich folgte die Ernüchterung, doch die Epoche blieb - wie schon gesagt - prägend.


Im Grunde war Lennon als Künstler immer nackt. 
John Lennon stellte sich selber in den Mittelpunkt seiner Musik. Er zeigte sich völlig nackt. Als er sich mit seiner zweiten Frau Yoko Ono auf einem Plattencover wirklich mal nackt zeigte, war der Aufschrei natürlich gross (und von Lennon kalkuliert). Doch im Prinzip machte er nur, was er die ganze Zeit schon tat, zumindest seit etwa 1965. Er zeigte sich in all seiner menschlichen Blösse, gepeinigt von Unsicherheiten, geschüttelt von Selbstzweifeln, mal arrogant, mal depressiv, melancholisch, übermütig, glücklich, besinnlich - die Liste liesse sich noch weiterführen. 


Kollektive Trauer 1980.
He's not dead. John Lennon can't be dead
Es war immer er selbst, über den er sang. Aber er drückte dabei die Gefühle von Millionen von Menschen seiner Generation und anderer Generationen manchmal mit masochistischer (und sadistischer) Schärfe aus. Dies ist meines Erachtens die nobelste Aufgabe eines Künstlers. Dies auszudrücken, das Publikum aber dennoch nicht in der Verzweiflung zurückzulassen. Denn immer war da auch Hoffnung in den Songs. Und Liebe. Immer wieder Liebe. Und dazu diese Stimme, die genau diese Spannbreite hatte. Nicht musiktechnisch, da hat McCartney besser gesungen. Aber emotional. Die Spannbreite zwischen Verzweiflung und Zärtlichkeit, die es anderen unmöglich macht, Lennon-Songs glaubhaft nachzusingen. 


Lennon, als er noch glaubte. Nach kurzer Zeit
wandte er sich vom Maharishi ab. 
Den Song "God" hat Lennon 1970 nach dem Breakup der Beatles aufgenommen. Drei Teile finden wir darin. Den Einstieg mit der Zeile "God is a concept, by which we measure our pain", gospelartig wiederholt (I'll say it again). Dann eine Litanei von Unglauben: All das, woran Leute glauben oder glaubten (teilweise auch er glaubte), wird von Lennon eingestampft: Ich glaube nicht, ich glaube nicht, ich glaube nicht.... Er schreckt nicht davor zurück, Jesus neben Hitler zu platzieren und setzt die Beatles ans Ende dieses Teils: "I don't believe in Beatles."


Hier stoppt der Song für einen Augenblick. Dann singt er, woran er noch glaubt: An sich selber, und an Yoko (das konnte nicht ausbleiben...). So sieht die Realität aus. 


Neidliebe. Der selbstkritische Lennon verzweifelte oft
am Lebens- und Musiktalent McCartney. 
Dann wendet sich Lennon an jene, mit denen er im Grunde gar nichts zu tun haben will. Jene, die von seiner Musik leben, die sie einsaugen, die sich damit identifizieren, jene, die sie lieben. Der Traum ist vorbei, was kann ich sagen? Der Traum ist vorbei, "yesterday" (mit diesem Song von Paul McCartney verband Lennon eine happige, von Neid zerfressene Hassliebe). Ich war der, der die Träume gesponnen hat, aber jetzt bin ich neu geboren. Ich war das Walross (vom Song "I am the Walrus" aus dem Jahr 1967. 1968 sang er in "Glass Onion" noch "The walrus was Paul"). Aber jetzt bin ich John. So denn, liebe Freunde, ihr müsst halt jetzt weitermachen. Der Traum ist vorbei. 




Ich war 13 Jahre alt, als mir ein Schulfreund - ich erinnere mich genau, wer es war - gesagt hat, "ein Beatle" sei in Amerika erschossen worden. Er wusste, dass mich die Nachricht interessieren würde. Sie hat mich erschüttert. Sie erschüttert mich noch heute. 

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