Mittwoch, 1. Februar 2012

Scheidungsleute und Zusammenbleibleute

Wir kennen uns seit 24 Jahren. Wir haben an der gleichen Universität studiert. Wir haben uns nie aus den Augen verloren, auch wenn der Kontakt durch all die Jahre ein lockerer und sporadischer war. Er hat weit vor mir geheiratet und Kinder gehabt. Schon zu Zeiten, als ich und meine Freundin damals noch meilenweit von Kindern entfernt waren.

Am Sonntag sass er in unserer Küche. Unangemeldet. Überraschend. Kein Problem. Wir lieben unangemeldete Besuche. Wirklich. Bei ihm steht die Scheidung an. Wir wussten davon, er hatte die traurige Neuigkeit vor einem halben Jahr gemailt. Wir waren natürlich überrascht. 

Nun also, er sitzt in unserer Küche und sagt diesen Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf will: "Ihr beiden seid das einzige befreundete Paar, das noch zusammen ist." Ich antworte spontan: "Und ihr seid die beiden einzigen in unserem Freundeskreis, die sich scheiden lassen." Keine Ahnung, ob das stimmt, aber mir fällt im Moment wirklich kein befreundetes Paar ein, das sich schieden lässt oder scheiden liess. Aber warum beschäftigt mich dieser kleine Wortwechsel so sehr?

Ich schreibe jetzt hier mal ungehemmt. Ich weiss, dass das Thema heikel ist. Aber vielleicht gibt es ja Paare, die von Anfang an Scheidungspaare sind. Und diese Paare befreunden sich dann untereinander. Und dann gibt es die Paare, die von Anfang an gute Chancen haben, zusammenzubleiben. Und auch diese Paare befreunden sich untereinander. Und zwischen den Gruppen gibt es wenige Berührungspunkte. Scheidungspaare empfinden die Zusammenbleibpaare vielleicht als langweilig. Zusammenbleibpaare meiden das schlechte Karma, das von Scheidungspaaren ausgeht. Irgendwie so stelle ich mir das vor. 

Ob die beiden auch überproportional viele Scheidungspaare kennen?

Man könnte den Gedanken sogar noch weiterspinnen. Vielleicht gibt es "Scheidungsmenschen" - Männer wie Frauen - die nicht wirklich den Anspruch haben, ein Leben lang mit dem gleichen Partner zusammen zu bleiben. Und die "Scheidungsmänner" und die "Scheidungsfrauen" finden sich zu "Scheidungspaaren" zusammen. Und die anderen - die "Zusammenbleibpaare" finden auch zusammen. 

Ich sage nicht, dass die "Zusammenbleibleute" bessere Menschen sind. Sie haben auch ihre Makel, sie gehen mitunter fremd. Weil sie aber zusammenbleiben wollen, verheimlichen sie Seitensprünge und können sich - jetzt kommt das aktuelle Thema - eine offene Beziehung nicht vorstellen. 

Das war jetzt nur so mal dahingeschrieben. Wie gesagt: Heikles Thema. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass da etwas dransein könnte. 

2 Kommentare:

  1. um es mal kurz zu sagen. Ich glaube an die sequentielle Monogamie...

    Ich bin der Überzeugung, dass der Mensch - naturgemäß - nicht für eine Lebenslange Ehe gemacht ist, dass sowas passieren kann stelle ich aber nicht in Frage....

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  2. Interessant wäre es zu wissen, ob die Eltern der "Zusammenbleibpaare" dieses Modell auch erfolgreich praktiziert haben und ob "Scheidungspaare" Scheidungskinder waren. Meiner Erfahrung nach funktionieren viele langjährige Ehen in der Generation unserer Eltern nur deshalb ein Leben lang, weil sich die Ehefrauen "arrangieren", das heisst eigene Bedürfnisse und Ansprüche zum Wohle der Familie zurückstecken und sich dem Ehemann anpassen. Töchter solcher Mütter neigen dazu, dieses Muster zu übernehmen und sich unbewusst die entsprechenden Ehemänner auszusuchen... Wobei dies in der heutigen Zeit sehr viel schwieriger zu praktizieren ist, weil wir Frauen emanzipierter sind und viel mehr Möglichkeiten haben, ein eigenständiges, unabhängiges Leben zu leben und interessante Männer kennenzulernen...

    In meinem Freundeskreis gibt es eigentlich auch keine Scheidungspaare. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass die meisten noch Kinder im Schulalter haben und die Ehefrauen "funktionieren" müssen und viele Kompromisse eingehen...

    Was aber, wenn die Kinder eines Tages selbständig sind und das Ehepaar wieder Zeit für sich hat? Das ist dann wohl die Stunde der Wahrheit.

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