Mittwoch, 25. April 2012

Bye Bye Barça und der Antireflex des Herrn Castorp

Liebkind der Massen. Lionel Messi am Ball. 
Schon seit einigen Jahren geht es mir - als fussballinteressiertem Zeitgenossen - gehörig auf den Zeiger. Barça hier und Barça da. Der FC Barcelona ist das ultimative Liebkind aller Fussballliebhaber. Und Messi ist der Gott, der über allem thront.

In einer solchen Situation regt sich in mir immer der Antireflex. Ich bin dann gegen Barça. Das, was die anderen als traumhaftes Passspiel sehen, kommentiere ich als träges Herumschieben des Balls. Messis Vorgänger Ronaldinho bei Barcelona stand am Schluss nur noch auf dem Platz herum, spielte Pässe über 3 Meter und wurde immer noch als Fussballgott verehrt.

Auch Messi scheint langsam in dieses Ölgötzen-Stadium zu gleiten. Das ist aber auch kein Wunder. Als vor ein paar Wochen die argentinische Nationalmannschaft hier in der Schweiz für ein Freundschaftsspiel zu Gast war (Antrittsprämie 1 Mio. Franken, Resultat 1:3, gut, ok, Messi hat alle drei Tore geschossen), achtete ich mit Fokus "Messi" mal auf den Fernsehkommentar. Zugegeben: Die Fussballkommentatoren hier in der Schweiz sind unterirdisch, aber trotzdem. Hätte ich jedes Mal, wenn der Name "Messi" fiel, einen Strich auf ein Blatt machen wollen, ich hätte gar nicht genug Papier im Haus gefunden. Hat ausser Messi eigentlich sonst noch jemand gespielt an jenem Abend?

So habe ich denn die letzten vier Tage mit Genugtuung auf das Schicksal des FC Barcelona geschaut. El classico ging verloren, der Real-Trainer Mourinho, dem dieses endlose Barça-Dedöns wohl auch gehörig auf den Magen schlägt, hat im Camp Nou vor annähernd 100'000 Zuschauern triumphiert. Gestern nun hat Chelsea noch einen draufgesetzt und den Liebling der Massen aus der Champions League bugsiert. Zum vollendeten Glück fehlt jetzt nur noch die Finalqualifikation Real.

Laut Selbstdeklaration von Gott persönlich zum
Fussballtrainer bestimmt: Bad Guy José Mourinho
Na ja, auch hier gleich eine Einschränkung: Über Reals Trainer kann man zugegebenermassen unterschiedlicher Meinung sein. Ich räume gerne ein, dass ich Herrn Mourinho aus sicherer Distanz gut finde und ich es schätze, wenn ich nicht direkt mit ihm zu tun habe. Aber er ist nun einmal der Bad Guy, welcher der Fussballwelt vorgemacht hat, wie man mit 10 gegen 11 auch gegen Barcelona als Sieger vom Platz gegen kann. Roberto di Matteo hat sehr gut zugeschaut, wie das geht. Und darum ist er mein persönlicher Held, neben Lucien Favre.

Bleibt noch ein persönlicher Fragekomplex, der in meinem Kopf herumspukt: Woher kommt dieser Antireflex? Warum muss ich immer, wenn jemand etwas zu mir sagt, innerlich einen Gegenstandpunkt einnehmen? Mit viel Selbstbeherrschung kann ich den mittlerweile öfters auch für mich behalten. Warum bin ich so selten dort, wo sich eine Mehrheit tummelt? Warum mache ich gerade das nicht, was ein Mainstream von mir erwartet? Warum kann ich nicht so sein wie andere?


Barçaaaaaaaa!

6 Kommentare:

  1. Ja, und was ist mit den Bayern? Drückst du ihnen nicht die Daumen (nein, ich bin kein Bayern-Fan, aber heute drücke ich ihnen doch die Daumen.)

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  2. Lieber Notos

    Dieses Mal nicht, nein. Da ich ja ein geborener Antityp bin, habe ich mich hierzulande aber sehr oft unbeliebt gemacht, als ich an Endrunden von grossen Turnieren jeweils lauthals die Deutsche Nationalmannschaft unterstützt habe, gegen alle Brasilienverehrer und diejenigen, die seit 1000 Jahren prophezeien, jetzt würde dann aber sicher mal eine afrikanische Mannschaft (Ach, diese Lebensfreude, diese Spontaneität!!) Weltmeister werden. Denkste!

    An der EURO singe ich dann wieder die 3. Strophe des Deutschlandlieds mit!

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  3. Mainstream ist langweilig....Wenn du so wärest wie alle anderen - ich mag den Gedanken gar nicht weiterführen.....So viele wunderschöne und schräge Posts würden ungeschrieben bleiben....

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    1. Danke, haben gut getan, deine Worte. Dennoch. Die Frage, warum ich nie so sein kann wie die Mehrheit, bliebt ein Stachel.

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  4. Deinen persönlichen Fragekomplex kenne ich aus eigener Erfahrung. Es hat etwas damit zu tun, dass man selber das Gefühl hat, anders zu sein. Etwas Besonderes zu sein. Nicht besser oder schlechter als der Mainstream. Einfach anders. Eben nicht 0-8-15. Ich habe dieses Gefühl seit der Kindheit.

    Früher in der Schule bin ich damit angeeckt. Wenn der Religionslehrer von Adam und Eva erzählt hat, provozierte ich ihn mit Darwins Evolutionstheorie. Es machte mein Leben nicht einfacher... Heute bin ich gelassener. Ich denke mir oft "meine Sache" und schmunzle innerlich darüber, dass ich eben "anders" bin. Und ich fühle mich gut damit.

    Was wäre diese Welt, wenn es nur Mainstream gäbe? Es braucht doch Menschen, die sich von der Masse abheben, die Gängiges hinterfragen, die neue Wege beschreiten und Visionen haben. Und wie schon Frau Karfunkel schreibt: Wenn Du 0-8-15 wärst, würde es diesen wunderbaren Blog nicht geben. Bleib Dir treu. Du bist etwas Besonderes. Unique.

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    1. Dir danke ich auch für deine Worte. Um deine Gelassenheit beneide ich dich offen und ehrlich.

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