Dienstag, 3. April 2012

Ehebaratung mit Dr. Castorp (3): Schau mir in die Augen, Gleichberechtigte!

Interviewer: Was bedeutet "Augenhöhe" in einer Partnerschaft?

Castorp: Das bedeutet, dass sich beide Partner als Gleichberechtigte begegnen. Und dass sie von diesen Rechten auch Gebrauch machen. Dass es also keine Rolle spielt, ob man der Mann oder die Frau in der Beziehung ist. Ich finde, dass auch Männer und Frauen mit gegenseitigen erotischen Absichten sich primär als Menschen begegnen sollten, und nicht als "Männer" und "Frauen"

Interviewer: Aber gibt es denn nicht Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Typisch Mann? Typisch Frau? Scheissegal!
Castorp: Natürlich. Biologische Unterschiede und gesellschaftlich gemachte Unterschiede. Erlauben sie folgende Gegenfrage? Gibt es nicht Unterschiede zwischen Männern und Männern? Oder zwischen Frauen und Frauen?


Interviewer: Doch, natürlich gibt es die. Ich sage es anders: Gibt es nicht typisch weibliche und typisch männliche Eigenschaften?

Castorp: Ich habe meine Zweifel, wie viele dieser Eigenschaften tatsächlich biologisch gegeben und wie viele antrainiert sind. Und letztlich spielt es auch überhaupt keine Rolle.

Interviewer: Warum nicht?

Castorp: Weil auch biologische Unterschiede keine Ungleichheit rechtfertigen.

Interviewer: Konkret gefragt: Was ist so schlimm an einer klassischen Rollenteilung in der Partnerschaft?

Castorp: Die Ungleichheit setzt später ein als früher. Früher sagte man: "Warum muss das Mädchen ins Gymnasium? Wenn sie Latein lernt, kann sie ihrem Mann später immer noch kein Essen kochen." Darüber sind wir heute hinweg. In vielen höheren Schulen sind inzwischen mehr Mädchen als Jungen. Sie bringen schulisch die besseren Leistungen. Der Biologiehammer kommt später. Nach der Ausbildung. Wenn es um Weiterbildungen und berufliche Karriere geht.

Interviewer: Nochmal nachgefragt: Was ist so schlimm daran?

Castorp: Dass man sich in die materielle Abhängigkeit des anderen begibt. Hinzu kommt: Wenn erst einmal Kinder da sind, erleben Männer und Frauen in klassischer Rollenteilung zwei völlig verschiedene Lebenswelten. Es bilden sich zwei Wahrnehmungen: Die eigene Lebenswelt ist stressig und unbefriedigend, während man sich die Lebenswelt des Partners als ein einziges Zuckerschlecken vorstellt.

Interviewer: Zum Beispiel?

Castorp: Männer, die von Montag bis Freitag durcharbeiten, kommen abends nach Hause. Dort warten eine erschöpfte und genervte Ehefrau, während die Kinder durch die Ankunft des Herrn Papa - sie haben ihn ja den ganzen Tag nicht gesehen - entzückt sind und sich von ihrer Schokoladenseite zeigen. Der Mann denkt: "Was hat die den ganzen Tag gemacht? Ein bisschen eingekauft, ein bisschen gekocht, ein bisschen gewaschen ein bisschen gebügelt.... Ich stell mir das noch gemütlich vor"


Kleinkinder: Nervig und intellektuell wenig herausfordernd
Interviewer: Während er den ganzen Tag unter Druck stand, Konkurrenzsituationen erlebt hat und der ganze Druck der Erwerbsarbeit lastet auf ihm.

Castorp: So ist es. Bei der Frau läuft die Wahrnehmung analog. Das Zusammensein mit kleinen Kindern ist intellektuell wenig herausfordernd. Kinder nerven, vor allem abends, wenn sie müde werden. Der Mann aber, der hat in seinem Büro seine Ruhe, geht mittags mit den Kollegen gemütlich essen und bekommt für seinen easy Job erst noch Geld.

Interviewer: Früher hat diese Rollenteilung aber super geklappt.

Castorp: Es geht. Da wird auch viel idealisiert. Aber es mag sein, dass es besser geklappt hat, weil es selbstverständlich war. Heute aber leben wir in einer Gesellschaft, welche die Halbemanzipation lebt. Rechtlich ist die Gleichberechtigung da, doch sie wird nur teilweise gelebt. Die Frau arbeitet teilzeit, vielleicht schraubt auch der Mann sein Pensum von 100 % auf 90%. Der Mann etabliert sich im Berufsleben, die Frau stagniert - bestenfalls. Das Rad der Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Die Zeiten von Mutti am Herd und Vati versemmelt das Mittagessen an Muttertag sind endgültig vorbei. Die Chance, eine glückliche Partnerschaft zu führen, liegt einzig in konsequent umgesetzter Gleichberechtigung. Halbherzige Emanzipation hingegen endet meistens in Frustration und gegenseitigen Vorwürfen.

Interviewer: Was bedeutet Augenhöhe im Privatleben?

Castorp: Das heisst, dass man sich von albernen Schablonen löst, die in letzter Zeit leider wieder schwer in Mode gekommen sind. Diese "Weibchen-Mentalität" oder diese "Neo-Macho-Mentalität". Es nervt. Und es ist einfach nicht geeignet, die Menschen glücklich zu machen. Es schafft nur Druck. Druck, ein "richtiger" Mann zu sein. Oder eine "richtige" Frau.

Interviewer: Inwiefern macht das die Menschen unglücklich?

Castorp: Ein Beispiel. Ich begebe mich jetzt auf dünnes Eis, aber egal. Viele Frauen klagen (hinter vorgehaltener Hand) darüber, dass sie keinen Orgasmus haben beim Sex.

Interviewer: Und?

Castorp: Nur eine Frage - durchaus rhetorisch: Könnte es vielleicht sein, dass immer noch viele Frauen glauben, sie könnten sich beim Sex hinlegen und den Mann machen lassen? Dass ER für ihren Orgasmus zu sorgen habe? Dass - jetzt sind wir am Ziel - er es ihr besorgt?

Interviewer: Was empfehlen Sie?

Keine 1001 Stellungen nötig. Ken und Barbie bei
der gemeinsamen Selbstbefriedigung.
Castorp: Ich bin nicht Sexualtherapeut und der Doktor im Titel ist auch nur Ironie. Aber diese Frauen wissen meistens, wie sie sich selber befriedigen können. Sollen sie sich doch an ihren Männern befriedigen! Das machen die Männer nämlich genauso, wen sie in ihren Frauen sind. Da braucht es letztlich keine Ratgeber mit ausgefallenen Stellungen.

Interviewer: Gemeinsamer Sex als Selbstbefriedigung?

Castorp: Warum nicht?  Dann gibt es ein sehr interessantes Hin und Her von gegenseitiger Erregung. Ein gemeinsames Sichaufschaukeln. Wenn man sich da noch in die Augen schaut....

13 Kommentare:

  1. Du schreibst mir direkt aus der Seele.
    Ich schreibe gerade im Moment an einer Novelle, in der ein Mensch im Wechsel als Mann und als Frau lebt, das hat mir ganz selbstverständlich etliche passende Gedanken zum Thema abgenötigt.
    Ich schätze, ich werde diese Woche noch mit der Geschichte fertig, dann stelle ich sie bei "Bookrix" zum Lesen ein.
    Gruß Jurek

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  2. Da bin ich aber sehr, sehr gespannt. Klinkst du hier noch den genauen Link rein, wenn es soweit ist?

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  3. Ich denke auch, dass eine Partnerschaft auf Dauer nicht funktioniert bzw. nicht glücklich macht, wenn die Partner nicht auf der gleichen Augenhöhe sind. Aber was Du über den gleichberechtigten partnerschaftlichen Sex schreibst, klingt für mich doch eher nüchtern…

    Dünnes Eis, lieber Dr. Castorp, in der Tat! :-)


    Gemeinsamer Sex als Selbstbefriedigung?

    Du meinst, das Paar hat gemeinsam Sex – dank Augenkontakt durchaus auch lustvollen Sex - aber letztlich ist jeder für seinen eigenen Orgasmus selbst verantwortlich? Und weil ER bei vaginaler Penetration sowieso zum Ziel kommt (und sich quasi mit Hilfe der Vagina der Frau selbst befriedigt!), soll SIE sich auch selber darum bemühen und sich von ihm nehmen, was sie braucht, anstatt zu warten und zu hoffen, dass ER sie zum Orgasmus bringt?

    Du gehst also davon aus, dass Männer sich eigentlich selbst befriedigen, wenn sie in ihrer Frau sind?! Das halte ich für eine gewagte These!

    Mich würde jetzt brennend interessieren, wie andere Männer das sehen! Es scheint sich ja keiner zu trauen, diese Aussage zu kommentieren…

    Ich begebe mich jetzt auch auf dünnes Eis und stelle jetzt mal die These in den Raum, dass eine Frau, die sich ihren Orgasmus beim gemeinsamen Sex mit ihrem Mann stets selber besorgen muss oder dies aus eigener Überzeugung vielleicht so will, sich doch insgeheim auch manchmal danach sehnt, von einem Mann "dominiert" zu werden und es so richtig besorgt zu kriegen... Abwechslung heisst das Zauberwort! Und dass ein Mann, der das Gefühl hat, sich beim Sex mit seiner Frau eigentlich selbst zu befriedigen, wohl auf Dauer damit auch nicht restlos glücklich ist. Aber wie dem auch sei - wenn es für das Paar so stimmt? Warum nicht. Jeder soll nach seiner Façon selig werden!

    Dass es bei vielen Frauen mit dem vaginalen Orgasmus nicht klappt, ist meines Erachtens vor allem darauf zurückzuführen, dass sie sich beim gemeinsamen Sex nicht ausreichend entspannen und hingeben können. Aus welchen Gründen auch immer. Das gilt übrigens auch für Männer! Das Hirn ist bekanntlich das wichtigste Sexualorgan…

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    1. Liebe Rosalie

      Was für eine umfangreiche Antwort.! Du hättest glatt selber ein Post daraus machen können. Der Satz "Jeder ist für seinen und jede für ihren Orgasmus selbst verantwortlich" trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf. Gut, wenn ER nach 10 Sekunden gleich abspritzt, wird es natürlich schwierig. Und wenn zwischen Mann und Frau "unfinished business" ist, dann auch.

      Ich finde den Vergleich von Sex mit einem Partner oder einer Partnerin mit der Selbstbefriedigung nicht so gewagt. Es geht um Stimulation, und welche Stimulation erregend ist und welche Stimulation dann in einen Orgasmus übergeht, das ist dann ausgesprochen individuell. Und übrigens... beim Sex wie bei der Selbstbefriedigung läuft ja auch das berühmte Kopfkino.

      Womit wir auch schon beim Kern unserer Differenzen sind. Du schreibst, dass Frauen sich danach sehnen, dominiert zu werden. Also erstens... nicht nur Frauen sehnen sich danach. Da gibt es eine erkleckliche Anzahl Männer, welche diese Sehnsucht auch haben. Nein, ich gehöre nicht dazu.

      Doch die Phantasie, es mir "besorgen" zu lassen - bzw. mich Frau Castorp einfach hinzugeben, gibt es durchaus. Und ich habe auch schon versucht, völlig passiv und ganz auf sie fokussiert zu sein beim Sex. Das Problem ist dann, dass ich eben meine Erregungskurve aus der Hand gebe. Die "Gefahr" ist dann gross, dass meine Erregungskurve direkt in einen (einsamen und nicht ganz so befriedigenden) Orgasmus mündet oder dass die Erregung absackt. So erlebe ich das.

      Doch eigentlich ist dieser Aspekt des Themas "Augenhöhe" nur ein Nebenschauplatz dessen, was ich eigentlich sagen wollte. Viel wichtiger scheint mir, dass diese halbpatzige Gleichberechtigung, wie sie heute oft von Paaren praktiziert wird, wohl in vielen Fällen nicht funktioniert.

      Vor allem, wenn Kinder da sind und hauptsächlich eine Person - meistens immer noch die Frau - für das Familiäre zuständig ist, leben die Liebespartner in verschiedenen Lebenswelten. Hier die anspruchsvolle und oft nervenaufreibende Aufgabe der Kindererziehung (plus Haushalt, plus Garten, usw.), da die Arbeitswelt, der Ärger mit dem Chef, der Einkommensdruck.

      Und das stelle ich mir dann schon sehr belastend vor, in so unterschiedlichen "Alltagen" zu funktionieren und das Gemeinsame, das Besondere der Zweisamkeit zu erhalten.

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  4. Danke für die nicht minder ausführliche Antwort! Dieses Thema schreit wirklich nach einem eigenen Post auf meinem Blog!

    Zwei Anmerkungen noch zu Deinem Kommentar:

    "Und übrigens... beim Sex wie bei der Selbstbefriedigung läuft ja auch das berühmte Kopfki-no"

    Sag ich doch. Das Hirn ist das wichtigste Sexorgan! Wenn Frau beim Sex daran denkt, ob der Mann sie trotz Schwabbelbäuchlein noch begehrenswert findet oder nicht und was fürs verlängerte Wochenende noch alles eingekauft werden muss, wird es wohl nichts mit dem Orgasmus. Weder allein noch zu zweit.

    "Du schreibst, dass Frauen sich danach sehnen, dominiert zu werden. Also erstens... nicht nur Frauen sehnen sich danach. Da gibt es eine erkleckliche Anzahl Männer, welche diese Sehnsucht auch haben. Nein, ich gehöre nicht dazu."

    Ich habe nicht gesagt, dass Frauen sich GRUNDSÄTZLICH danach sehnen. Aber ich denke, dass viele Männer insgeheim ein Bedürfnis nach Dominanz haben und viele Frauen insgeheim ein Bedürfnis nach Hingabe – und meinetwegen auch umgekehrt! Der Alltag verlangt uns alles ab und Schwäche zeigen ist verpönt. Vielleicht haben so viele Frauen deshalb die Sehnsucht, sich einmal fallenlassen zu dürfen und sich hinzugeben. Und wo sonst lässt sich das bitte schön ausleben, wenn nicht beim Sex? Ok - Männer auch. Sie möchten auch mal schwach sein dürfen. Dagegen ist nichts einzuwenden.

    To be continued… ;-)

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    1. Liebe Rosalie

      Das mit dem Kopfkino ist so eine Sache... Just die Gedanken an anstehende Einkäufe sind in gewissen Situationen beim Sex sehr hilfreich, nämlich dann, wenn es darum geht, den Orgasmus hinauszuzögern. Ich denke allerdings bei diesen Gelegenheiten an etwas anderes. Woran, das verrate ich hier lieber nicht - the way things are going, they gonna cruzify me! Umgekehrt gibt es, wenn ich die Erregung steigern will, surchaus Phantasien, die ich aktiviere. Die sind dann aber wirklich sehr, sehr privat.

      Der Punkt ist, dass es beim Sex primär (aber nicht ausschliesslich) um eine Grundtechnik geht: Wie kann ich mit meinem Erregungspegel spielen? Diese Grundtechnik kann man sehr gut erlernen und üben bei der Selbstbefriedigung. Natürlich ist der Sex zu zweit dann etwas anderes, aber nicht etwas grundsätzlich anderes, denn es geht weiterhin um die Erregungskurve, die nicht absacken, aber auch nicht über den kritischen Wert hinausschiessen sollte.

      Das klingt jetzt alles etwas sehr technisch, aber so ganz lässt sich das meiner Meinung nach nicht ausblenden. Würde man dies tun, hiesse das, Sex unnötig zu romantisieren. Was wiederum nicht heissen will, dass Sex nichts mit Romantik zu tun hätte, aber viel Frust beim Sex entsteht durch dessen Überromantisierung. Davon bin ich fest überzeugt.

      Und natürlich ist der Sex zu zweit ein Spiel aus Dominanz und Hingabe, eben - ein interessantes Hin und Her - ein Sichaufschaukeln. So wie ich das in meinem Post schon geschrieben habe. Was jedoch deine These betrifft, dass der M a n g e l an Hingabe und Entspannung zu Orgasmusproblemen führt - da zweifle ich doch stark daran. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man erfüllenden Sex haben kann, wenn man sich nicht um seine eigene Erregungskurve kümmert. Als Phantasie ist das schon denkbar. Aber in der Realität?

      tbc?

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  5. Wow castorp und rosalie, das nenne ich Schlagabtausch.

    Wenn der Partner nur eines der möglichen Mittel zur "Selbstbefriedigung" ist, dann ist er austauschbar und gesichtslos. Objekt nicht Subjekt. Nicht nur eine gewagte, sondern eine für mich grausige These.

    Und wenn man als Frau mit dem Partner keinen Orgasmus mehr erreicht, liegt es daran, dass man ihn nicht (mehr) begehrt und sicher nicht daran, dass man erwartet, das er es einen besorgen wird. Nur das Zusammenspiel von begehren und begehrt werden mündet für in einem für beide erfüllenden Orgasmus. Selbstbefriedigung wie auch immer kann dort nie heranreichen, höchstens entspannen.

    Bei Männern mag das anders sein. Glaube ich aber nicht.

    Ein entspanntes :-) Wochenende
    morgenrot

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    1. Liebe Morgenrot

      Ein äusserst kluger Einwand. Wenn ich böse wollte, müsste ich sagen: ein spitzfinder.

      Nun, natürlich ist die Vorstellung eines e i n s e i t i g benutzten Objekts grausig. Darf ich es mal etwas salopp ausdrücken: Da würde ich gar keinen hoch bringen.

      Die Raffinesse beim Sex liegt in meinen Augen und nach meiner (langjährigen :-)) Erfahrung eben darin, dass man als SexpartnerIn sowohl Objekt als auch Subjekt ist (huch, jetzt wird es philosophisch, ich liebe das!). Man benutzt und wird benutzt. Es beruht auf Gegenseitigkeit - Augenhöhe! Darum geht es.

      Mich betrübt noch ein bisschen die Art und Weise, wie du über die Selbstbefriedigung schreibst. Selbstbefriedigung dient höchstens der Entspannung? Also, eine Art billige Triebabfuhr? Na ja, so kann man es natürlich machen, aber auch solche einsamen Vergnügungen lassen sich durchaus lustvoll gestalten. Sprich: Gutes Kopfkino, es langsam (aber auch nicht z u langsam) angehen lassen, heinauszögern.... Gibt einen viel besseren Orgasmus als schnellschnell abrubbeln.

      Aber du hast schon Recht, dass es einen grundlegenden Unterschied gibt: Bei der Selbstbefriedigung bin ich nur Subjekt. Auch wenn ich mich in der Phantasie als wehrloses Objekt vorstelle, so bin und bleibe doch i c h der Schöpfer dieser Phantasie. Alles, was darin passiert, bestimme i c h.

      Beim Sex bin ich dann aber - ich wiederhole mich, ich weiss, Subjekt u n d Objekt. ist natürlich schon reizvoller.

      Liebe Grüsse und danke nochmal fürs Kommentieren

      Castorp

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    2. Natürlich ist Selbstbefriedigung mit all ihren Fantasien lustvoll. Sonst würde sie ja nicht befriedigen. Man umarmt sich selbst, aber es erfüllt einen nicht. Das ist der Unterschied für mich.

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  6. Eigentlich wollte ich gar nichts schreiben, aber ... Ich fühle mich doch bemüssigt ;)
    Erstmal. Ich finde das Interview sehr amüsant und lesenswert, auch wenn ich nicht alle Ansichten 100%ig teile. Aber ich schrieb ja schon öfter, dass ich Dich, liebe Castorp, als sehr klugen Mann achte.
    Die pauschale Aussage, dass sich Männer selbstbefriedigen, indem sie ihre/eine Frau benutzen, kann ich nicht stehen lassen. Sex zwischen Menschen die sich begehren ist viel mehr als nur Befriedigung. Es ist, wie Morgenrot schreibt, ein zusammenspiel aus begehren und begehrt werden, aus nehmen und genommen werden, aus Hingabe und tiefer Vertrautheit miteinander, aus tiefen Berührungen, aus Atmen, Schweiß und Nähe, aus halten und loslassen, aus Verführung und Führung, ein miteinander, ein erotischer Tanz und ja, es mag zu Orgasmen kommen ... zu einem, zwei, drei ... aber selbst wenn nicht, kann Sex unendlich tief befriedigend sein und einen Menschen über Tage ins Schweben bringen.
    ... und ich gebe Rosalie recht. Der Kopf ist auch ein Sexualorgan. Wenn es im "Kopf nicht stimmt", dann funktioniert Sex nicht gut oder gar nicht. Aber... wenn ich mit einer Partnerin im Rausch bin, ganz im Hier und Jetzt, ganz Fleisch und Lust, gibt es bei mir kein "Kopfkino" ... gar nicht. Weiß nicht, wie das bei anderen ist ... ich weiß, wenn ich mit einer Partnerin zusammen bin und das Kopfkino fängt an, dass ich dann woanders bin, bei einem Film, einem Bild, einer anderen Frau, einer erotischen Phantasie oder Sehnsucht, aber nicht mehr bei der Partnerin. Ein vollendetes Erlebnis ist es für mich dann nicht. Dieser große, tiefe, seelenberührender Sex ist für die Beteiligten dann so intensiv, wenn es nur ein "Hier und Jetzt" und kein Kopfkino bei den Beteiligten gibt. Ich bin mir sicher, dass das meiner Partnerin genauso geht, bzw. gegangen ist.
    Liebe Grüße
    Nouniouce

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    1. ... ich hätte es nicht besser in Worte bringen können. morgenrot

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  7. Natürlich ist Selbstbefriedigung mit all ihren Fantasien lustvoll. Sonst würde sie ja nicht befriedigen. Man umarmt sich selbst, aber es erfüllt einen nicht. Das ist der Unterschied für mich.

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    1. Für mich besteht der Unterschied darin, dass bei der Selbstbefriedigung keine Begegnung stattfindet, kein Austausch, keine Erregung des anderen. Natürlich ist das erfüllender. Aber nochmal: Ich würde es nicht gegeneinander ausspielen. Es gibt beim Sex zu zweit (einige geniessen ihn auch zu mehreren, eher nicht mein Ding, zumindest nicht real) sehr schöne Momente, aber auch bei intimen Situationen allein.

      Aber ich sehe eben auch Gemeinsamkeiten. Bei der Selbstbefriedigung und beim Sex geht es um Erregung und wie ich meine Erregung steure. Ich sehe das als eine Grundtechnik, die für mich guten Sex erst möglich macht.

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