Castorp: Finde ich auch. Ausserdem bin ich in den nächsten drei Tagen ziemlich beschäftigt und nachher über eine Woche mehr oder weniger in den Ferien.
Interviewer: When will it lead us from here? Nicht Where!
Castorp: Ja, ich habe es auch gesehen, als ich mir heute morgen den Text und die Akkorde heruntergeladen habe.
Interviewer: Aha. Angie wird ein Fall für die berühmte Hanika?
Castorp: Ja. Ein erstaunlich konventioneller Song eigentlich. Mit einer sehr üblichen Akkordabfolge. Aber es kommt draufan, wie man ihn singt. Aber nochmal zurück zu meiner Textkorrektur. Angie ist natürlich ein Trennungslied. Ich hatte immer verstanden: Wohin führt der Weg die beiden? Dabei sind sie am Ende ihres gemeinsamen Weges angelangt.
Interviewer: Weil keine Liebe in ihren Seelen ist.
Castorp: Weil keine Liebe in ihren Seelen ist. Und kein Geld in den Taschen...
Interviewer: Wann ist ein Paar am Ende des gemeinsamen Weges angekommen? Wann trennen sich die Wege?
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| Manchmal noch gute Momente. Aber wohin soll der Weg führen, wenn da keine Liebe mehr ist? |
Interviewer: Oder es nie eine Liebe gegeben hat. Eine Zweckverbindung, weil alles gestimmt hat.
Castorp: Let us be lovers! Aber ernsthaft: Warum sollte in unserer Kultur ein Paar zusammenkommen, das sich nicht liebt?
Interviewer: Sprechen wir noch etwas über die Kommunikation zwischen Liebenden. Kommunikation sei der Schlüssel, meinen viele.
Castorp: Das hat schon seine Richtigkeit. Es ist verheerend, wie wenig manchmal kommuniziert wird. Und wie falsch.
Interviewer: Was ist der Hauptfehler?
Castorp: Ich habe gedacht, dass / Ich setze voraus, dass / Ich habe gedacht, dass du denkst / Ich habe gedacht, dass du denkst, dass ich denke.... Lauter Gedanken, aber keine ausgesprochenen Worte.
Interviewer: Könnten Sie konkreter werden?
Castorp: Ein Beispiel: Er mäkelt dauernd an ihrer Figur herum. Zugegeben, sie i s t nicht gertenschlank, war es wohl auch nie, wird es nie sein. In den letzten Jahren hat sie Pfunde zugelegt
Interviewer: In einem gewissen Alter wird die Sache mit den Pfunden nicht einfacher.
Castorp: Wem sagen Sie das! Doch zurück zu unserem Paar. Da gibt es von seiner Seite immer wieder diese Bemerkungen. Und diese Bemerkungen verletzen sie.
Interviewer: Wie kann richtige Kommunikation da helfen?
Castorp: Sie sollte es direkt ansprechen. Sie leidet, also muss sie handeln. Warum fragt sie ihren Mann nicht direkt: "Stört dich meine Figur?" Und dann kann das Gespräch anfangen. Vielleicht machte er nur scherzhafte Bemerkungen, unsensibel, aber nicht bösartig. Vielleicht erregt ihn seine Frau nicht mehr. Vielleicht ist das aber kein Problem, aber sie ist in Gesellschaft zu wenig repräsentativ. Vielleicht macht er sich Sorgen um ihre Gesundheit. Es gibt Dutzende von Vielleichts....
Interviewer: Die nicht ausgesprochen sind.
Castorp: Genau. Und sie setzt voraus: So und so ist es bei ihm. Im ärgsten Fall: Er reitet auf meinem Schwachpunkt herum, stellt mich bloss, aus purer Bösartigkeit mir gegenüber. Ergo: Er liebt mich nicht.
Interviewer: Und der Machtkampf beginnt.
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| Paare können sich den Himmel, aber auch die Hölle auf Erden bereiten. Richard Burton und Elisabeth Taylor 1966 . |
Interviewer: Heute keine Musik?
Castorp: Irgendwie nicht.
Interviewer: Aber ein Plan, wie wir das zu Ende bringen?
Castorp: Gute Idee. Also... Coming soon: Du sollst dir kein Bildnis machen. Steht schon in der Bibel und vor allem bei Max Frisch. Tja, und dort so gut, dass wir es uns eigentlich schenken könnten.
Interviewer: Und die Treue?
Castorp: Dazu habe ich schon genug gesagt.
Interviewer: Und offene Beziehungen?
Castorp: Dazu werde ich ohnehin nichts mehr sagen.
Interviewer: Wir werden sehen.


Lieber Castorp
AntwortenLöschenIch hoffe, dass dem Interviewer und dem klugen Experten in Ehefragen die Puste noch nicht so bald ausgeht. Es gäbe noch viele interessante Fragen zu stellen und "Dr." C. scheint sich mit der Materie ja ganz gut auszukennen.
Zu Teil 6: Ist fehlende oder mangelhafte Kommunikation nicht eigentlich das Grundübel in allen Beziehungen des menschlichen Daseins? Egal ob in Liebesbeziehungen, innerhalb der Familie, in Freundschaften, am Arbeitsplatz, im Umgang mit dem Nachbarn oder in der Politik. Würden die Menschen es verstehen, richtig miteinander zu kommunizieren, mit Anstand und Respekt, sich verständlich auszudrücken und einander zuzuhören, wäre diese Welt wohl "a better place".
Und manche Dinge sind halt einfach so heikel, dass es besser ist, wenn man den Mund hält. Zum Beispiel das Paar, von dem Du schreibst. Was denkt er sich dabei? Er gibt seiner Frau zu verstehen "Du bist nicht ok, so wie Du bist". Sie hat sich ihren Körperbau nicht selbst ausgesucht und leidet wahrscheinlich selber am meisten darunter. Nun gibt er ihr zu verstehen, dass sie ihm so nicht (mehr) gefällt. Das ist ähnlich konstruktiv, wie wenn er ihr sagen würde: "Ich finde Deinen Busen etwas klein.". Was für einen Schluss soll sie daraus ziehen? Soll sie für ihn (!) ihren Busen operativ vergrössern lassen oder sich die Kilos abhungern, damit sie ihm (wieder?) gefällt oder sollte sie nicht vielmehr den Schluss daraus ziehen, dass er sie nicht richtig liebt? Und ihm sagen: "Love it or leave it?"
Nun ja, das ist vielleicht kein ideales Beispiel für mangelhafte Kommunikation in einer Beziehung, weil es keine Verhaltensweise betrifft, die sich einfach ändern lässt. Es gäbe noch viel darüber zu schreiben, aber ich fürchte, mein Kommentar ist schon wieder viel zu lang geworden...
Aber noch kurz was zu Angie: "Where will it lead us..." ist schon richtig! Über die Interpretation des Songs liesse sich auch ein Post schreiben! :-)
Schönen Ostermontag!
Herzlichst,
Rosalie
Liebe Rosalie
LöschenMit Teil 7 ist dann definitiv Schluss mit dem Interview. Dann lese ich mal wieder Blick am Abend oder so etwas.
Zum Beispiel mit dem Paar.... Du fragst: "Was denkt er sich dabei?" Genau, gute Frage, um das Gespräch zu beginnen.
Ebenso herzlichst am Ostermontag
Castorp