Sonntag, 29. April 2012

Ungewohnter Blick auf die Welt und der Erfinder des Streichholzschwenkens während Konzerten

Heute habe ich 20 Minuten neben dieser Weltkugel zugebracht, habe auf einen alten Freund gewartet, die Gelegenheit zum Schreiben von SMS an meine beste Freundin genutzt und immer wieder heftete sich mein Blick auf eine Weltkugel, ja, diese hier:

Simsen und philosophischen Betrachtungen nachhängen an einem
warmen Sonntagmorgen. Who could ask for more? 

Was mich dabei faszinierte: Immer wieder boten sich dem Betrachter (also heute Vormittag mir)  neue Blicke auf unseren Planeten. Die meisten davon ungewohnt, ist doch unsere Wahrnehmung darauf trainiert, die Welt so wahrzunehmen:

The World as we know it.
Die schwebende Kugel aber offerierte immer wieder neue Blickwinkel. Öfters sah ich lediglich den Pazifischen Ozean, nur Wasser - auf der Kugel schwarz. Immer wieder mal war auch die Antarktis - ein riesiger Kontinent - im Vordergrund. Man schaut von der "verkehrten" Richtung auf den nordamerikanischen Kontinent und konstruiert: Ah! Das dort ist ja Grönland (auch überraschend gross) und dort Island (überraschend klein). Die Augen suchen instinktiv das eigene Zuhause Mitteleuropa - nur selten ist es erahnbar, und es ist sehr, sehr klein.

Was will uns der Autor damit sagen? Dinge sind generell anders, als wir gewohnt sind, sie zu sehen. Je mehr wir unserer Wahrnehmung, unseren Überzeugungen, unseren scheinbaren Sicherheiten misstrauen, desto näher kommen wir der Wahrheit.

Der Morgen ging noch weiter, und zwar musikalisch an einer Börse für Secondhand-Tonträger. Nun ist es ja so, dass im Zeitalter von ebay, amazon, von legalen und halblegalen Downloads eine solche Veranstaltung vor allem ein gesellschaftliches Event ist für Freaks ist, die äusserlich schnell erkennbar sind. 90% der Anwesenden waren Männer, Frauen kamen praktisch nur als Begleiterinnen vor. Meine beste Freundin beschrieb mir diese Männer - ohne sie an diesem Morgen gesehen zu haben - per SMS exakt:

" Männer zwischen 45 und 60, etwas längere Haare, abgewetzte Lederjacken, Metallbrillen, Plastiksack in der Hand."

Männerwelt mit vereinzelten Begleiterinnen. 

Genau an solchen Attributen erkennt man den typischen Schallplattenbörsenbesucher (Wort des Tages). Schon nach 10 Sekunden hatte ich auch das Geschenk, das ich meinerFreundin versprochen hatte, gesichtet. In der Stimme des Sängers schwingt Verlust der Verlust von Familienmitgliedern mit. Nein, es ist nicht Grönemeyer.

Die weitere Ausbeute:

Leonard Cohen: Live at the Isle of Wight 1970. Cd + DVD
Artetha Franklin: Rare & unreleased recordings from the golden reign of "The Queen Of Soul"
Deep Purple: The BBC Sessions 1968-1970
The Bee Gees: The Ultimate Bee Gees (solange Robin Gibb noch lebt)

Vom Krebs gezeichnet: Robin Gibb, still staying alive! 


und aus dem halblegalen Bereich....

David Byrne: Unplugged and more (live in San Francisco 1992)
Crowded House: Live behind wooden doors (Live in Chicago 1991)
Oasis: Unplugged (verschiedene Auftritte, u.a in der Jools Holland Show)

Was ich nicht  wusste: Herr Cohen war 1970 offenbar der Erfinder des Zündhölzanzündens während Konzerten (später waren es Feuerzeuge, heute leuchten nur noch Displays von Smartphones... Matches...those were the days). Auf der Insel Wight übrigens nicht ungefährlich, da das Festival sehr chaotisch verlief und immer wieder mal Bühnenmaterial in Flammen aufging. Die Künstler wurden teilweise ausgebuht, mit Eiern und Steinen beworfen, es war ein allgemeiner Tumult. Nur bei Cohen war das Publikum lammfromm. Man fragt sich, was er intus hatte, um diese Ruhe auszustrahlen... Leonard Cohen, 1970, Isle of Wight. What a night this must have been!





2 Kommentare:

  1. Leonard Cohen...Wunderbar!
    Deine Freundin hat einen guten Geschmack.
    Ich bin ja eine bekennende Stimmen-Fetischistin
    und Herr Cohen`s Stimme ist einfach gigantisch.

    http://www.youtube.com/watch?v=_W3sG07UoKk

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  2. Da hast du etwas missverstanden. Meine beste Freundin bekommt eine andere CD. Den Cohen habe ich für mich (und Frau Castorp) gekauft.

    Leonard Cohen verbindet Musik und Poesie. Dass seine Stimme speziell auf Frauen wirkt, habe ich auch schon oft beobachtet.

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