Um diesen Überlegungen gleich eine unerwartete Wendung zu geben: Auch ich habe gestern Abend Feuerwerkskörper in die Luft gejagt (bzw. das In-Die-Luft-Jagen von Feuerwerkskörpern beaufsichtigt) und Fleisch über dem Grill gebraten. So viel zum privaten Kram. Trotzdem mache ich mir jedes Jahr meine Gedanken zum Sinn dieser Veranstaltung und dazu, was meine Nationalität mit meiner Identität zu tun hat.
Denn nein, ich bin kein Weltbürger. Ich weiss zwar sehr gut um das Verbindende zwischen den Menschen verschiedener Kulturen, weil ich beruflich mit vielen verschiedenen Kulturen zu tun habe. Ich wäre aber ein anderer, wäre ich in Neuseeland, auf den Fiji Inseln oder in Somalia auf die Welt gekommen. Ja selbst wenn ich Deutscher wäre, wäre ich ein anderer. Bei meiner Berlin-Reise konnte ich wieder einmal beträchtliche kulturelle Unterschiede zwischen mir und den dortigen "Eingeborenen" feststellen.
Ich fühle mich wohl als Schweizer. Ich mag es, eine Nationalität zu haben, die nicht automatisch auf meine Muttersprache schliessen lässt. In einem Land zu leben, das - je nach Kanton - eine mehr oder weniger lange gefestigte direktdemokratische Tradition hat. Gut, heute lebe ich in einem Kanton, der diesbezüglich eher ein Spätzünder war und in welchem das Aristokratische immer in der Gesellschaft nachhallt.
Und schliesslich lebe ich in einem Land, das 50 Jahre lang ohne einen Nationalfeiertag ausgekommen ist. Erst unter dem Druck des aufkommenden Nationalismus allüberall in Europa hat man sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch im 1848 gegründeten Bundesstaat Schweiz bemüssigt gefühlt, ein auf den Anfang des Monats August datiertes Dokument aus dem Jahr 1291 als Grundlage für unseren Nationalfeiertag zu erklären. Und auch ich werde, wie meine Vorfahren der Gründerzeit, auf das Feiern am Nationalfeiertag verzichten können, wenn die Kinder erst einmal grösser sind. Nicht aus Undank oder Snobismus. Sondern einfach, weil ich das nicht brauche.
| Bundeshauptstadt mit aristokratischer Tradition: Bern am 1. August |


ja, an ganz ungewöhnlichen Stellen fühlt man sich plötzlich national.....
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