Nachdem Schulerlebnisse ausgetauscht wurden, landeten wir beim Thema Streit. Genauer: Streit zwischen den Eheleuten - also aus der Sicht der Kinder zwischen Papa und Mama. Nachdem mein Arbeitskollege ausführlich (er neigt zu Ausführlichkeit) geschildert hatte, dass seine beiden Kinder sehr wohl mitbekämen, wenn Mama und Papa Meinungsverschiedenheiten haben, und sich anschickte, diese im Detail auszuführen, unterbrach ihn meine in jeder Hinsicht geniale Tochter, um folgendes einzuwerfen:
Geniale Tochter: "Mama und Papa streiten nie. Sie diskutieren."
(Ungläubige Reaktion von Kollege Vielsprech).
Geniale Tochter: "Doch, es ist so. Sie diskutieren nur immer. Und Papa gibt am Schluss immer nach."
(Papa Castorp horcht auf.)
Papa Castorp: "Ich gebe nicht immer nach..."
Geniale Tochter: "Doch, tust du. Am Schluss sagst du immer: Ja, das stimmt schon. So kann man das auch sehen. Oder so ähnlich."
Innerlich weiss ich aber, dass meine Tochter Recht hat. Sie hat es erkannt, weil sie genial ist. Und doch habe ich nicht das Gefühl, ich würde nachgeben. Es stimmt schon, dass ich oft (nicht immer) am Schluss von Diskussionen mit meiner Frau (über Kinder und Familie, nicht über Politik) oft wirklich überzeugt bin, sie habe Recht.
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| Ich finde nicht, dass zwischen Eheleuten die Fetzen fliegen müssen. |
Szenenwechsel: Frühstückstisch en famille am nächsten Morgen.
Ehemann Castorp (zu Ehefrau): "Unsere Tochter hat gestern gesagt, dass ich immer nachgebe, wenn wir beide diskutieren."
Ehefrau (zu genialer Tochter): "Findest du wirklich?"
Geniale Tochter: "Ja, das stimmt. Glaubt ja nicht, ich höre nichts am Abend, wenn ich im Bett bin. Ich höre alles."
(Schluck)
Ehefrau: "Was beobachtest du denn genau?"
Geniale Tochter: "Am Schluss sagt Papa immer: Hm, ja, stimmt schon. Du hast schon Recht."
Ehefrau: "Das liegt daran, dass ich wirklich meistens Recht habe."

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