Gedanken über Liebe und Ehe (Teil 2)
Worin liegt der Unterschied zwischen viel versprechendem Takeoff in eine gemeinsame Zukunft in Liebe, Respekt und gegenseitigem Entwicklungspotenzial (Aschenbrödel, Prinz) und einer Ehe mit desaströsem Ende (Diana Charles)? Könnte das Aschenbrödel nicht dereinst auch desillusioniert-dekorativ vor dem Taj Mahal sitzen und in einem Pariser Tunnel an der Seite ihres Geliebten ein frühzeitiges Ende finden?
Ich halte dies für unmöglich. Charles und Diana sind damals eine Zweckehe eingegangen. Er liebte eine andere (ältere, nicht so gut aussehende, das ist doch eigentlich ein sympathischer Zug von ihm), die er inzwischen geheiratet hat. Sie war geblendet, überrumpelt, naiv. Natürlich blieb sie aber nicht geblendet, überrumpelt und naiv. Die Frau hat sich entwickelt, allein, ohne ihren Gatten. Und das war fatal.
Genau das Thema der Veränderung wird just in "Drei Nüsse für Aschenbrödel" thematisiert. Dreimal trifft der Prinz auf Aschenbrödel: Zum ersten Mal als Aschenbrödel selbst, dann als Jäger verkleidet und schliesslich als bezaubernde Frau in Abendrobe beim berüchtigten Ball, an welchem er sich seine Frau auszusuchen hat. (Ich weiss bis heute nicht, warum der Prinz so zu bedauern ist deswegen. Ich hätte gern mal so einen Ball gehabt, an welchem ich mir eine Frau hätte aussuchen können. Aber ich weiche vom Thema ab...).
Das Problem des Prinzen war ja, dass er bei der dritten Begegnung nur die ihn bezaubernde Frau im tollen Outfit sieht. Er ist unfähig, den Link zum schmutzigen Underdog und zur androgynen Jägergestalt herzustellen. Aschenbrödel ist aber nur dann gewillt, sich mit dem Prinzen einzulassen, wenn es ihm gelingt, ihre verschiedenen Erscheinungsformen auf eine Person - nämlich sie - zu vereinen. Nur wenn ihm dies gelingt, würde dies heissen, dass es in dieser Beziehung Raum für Veränderung gibt.
Und das ist der Nährboden für eine glückliche Beziehung oder eine glückliche Ehe. Wohlbemerkt, nicht die Garantie, aber der Nährboden. Die Ehe von Charles und Diana hatte einen klar definierten Zweck. Sie sollten den Nachwuchs für das englische Königshaus bereitstellen und eine vorzeigbare Scheinehe gegen aussen führen. Veränderung war da nicht vorgesehen. Es war eine Ehe o h n e Nährboden, eine Ehe Hors-Sol.So, mein Loblied auf die Ehe ist zu Ende. Musik bitte!

Lieber Castorp
AntwortenLöschenEine Hors-Sol-Ehe? Interessanter Ausdruck. Spontan muss ich da an die (neue) unglückliche monegassische Fürstengemahlin denken... sie wird wohl in Dianas Fussstapfen treten.
Du gehst davon aus, dass der Nährboden für eine glückliche Ehe der Raum für Veränderung ist. Das tönt plausibel, denn wir alle verändern uns im Laufe der Jahre. Das Kunststück wird wohl darin bestehen, sich gemeinsam in die selbe Richtung zu verändern. Es besteht ja immer auch die Gefahr, dass sich nur ein Ehepartner verändert, während der andere sozusagen "stehen" bleibt. Oder beide verändern sich in verschiedene Richtungen. Und damit sich beide verändern können und sich dabei nicht verlieren, braucht es wohl ein starkes Fundament. Aber manchmal ist es leider so, dass das Fundament zu wenig stabil ist, mit den Jahren bröckelt und irgendwann auseinanderfällt.
Liebe Grüsse
Rosalie