Sigmund Freuds Einfluss auf unseren Alltag ist nie und nimmer zu unterschätzen. Obwohl schon lange tot und medizinisch überholt (nur noch Geisteswissenschaften beschäftigen sich in historischem Sinn mit ihm), lebt er in unserem kollektiven Bewusstsein (das war aber Jungs Hirngespinst) fröhlich weiter.
Ich hole aus: Alle haben in ihrem Leben auch schon mal Unangenehmes erlebt; Leidvolles, Trauriges, vielleicht aber auch nur Peinliches, an das man am liebsten nicht mehr denken möchte. Anstatt nun aber diesen Instinkt als Schutzmechanismus der Natur zu rühmen und zu preisen, hat es Dr. Freud um die vorletzte Jahrhundertwende geschafft, uns diese Wohltat gründlich zu verderben.
Daran, dass Verdrängen etwas ganz, ganz Schlimmes ist, herrschen heute mehr denn je in breiten Kreisen kaum Zweifel. Mit dem Furor von Selbstverletzern sollten wir Ereignisse und Gefühle, die wir sorgfältig im hintersten Winkel unseres Unterbewusstseins archiviert haben, vor gleissende Therapeuten- und Therapeutinnenscheinwerfer zerren. Oder sie mit der besten Freundin besprechen. Nur: Was macht ein Mann, der keine beste Freundin hat? Genau: Er verdrängt munter weiter. Und das ist gut so!!
Denn welcher Segen liegt auf der Marotte, alte Geschichten aus der tiefsten Vergangenheit aufzuwärmen? Was spricht dagegen, sie zu beschönigen oder auch nur zu vergessen? Magengeschwüre und Schlimmeres, wenn man das Unangenehme motten lässt? Vergiss es! Warum sollte es keine Magengeschwüre und Schlimmeres durch die akribische Aufarbeitung (allein schon das Wort!) von längst Verdrängtem geben?
Übermorgen werde ich nun also eine weite Reise mit dem perfekt organisierten öfentlichen Verkehr auf mich nehmen. Dann werde ich im Rahmen des Folterinstruments "Klassenzusammenkunft" alte Gespenster aus der Vergangenheit wiedersehen, und ich werde sie umarmen (Überraschungseffekt), werde lächeln und den Mund halten. Und auf alle Avancen, die da lauten: "Weisst du noch damals, als wir/du ...." werde ich weiter lächeln stoisch antworten: "Es tut mir leid. Ich kann mich nicht erinnern."
Verdrängung pur, und ich werde es geniessen. Oder, wie es Sir Paul McCartney back in the 70ties es einmal ausdrückte:
What's wrong with that?
I'd like to know.
'Cause here I go
Again


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen