Natürlich wäre das eine schöne Welt. Und um uns diese Welt in greifbare Nähe zu rücken, wird immer wieder mal gern behauptet, Monogamie widerspreche der menschlichen Natur. Wir seien nicht dafür geschaffen, auf Dauer nur mit einem Menschen sexuelle Kontakte zu haben. Das mag stimmen, aber ist es überhaupt wichtig, was die "Natur" des Menschen ist? Menschen organisieren sich in Kulturen.
Verschiedene Kulturen zu verschiedenen Zeiten haben und hatten verschiedene Vorstellungen davon, wie Frauen und Männer zusammenzuleben hatten, unter welchen Bedingungen, mit welchen Regeln - meist unterschiedlich und zu Ungunsten der Frauen. Gerade die Sexualität wurde dabei oft unter einem Deckel gehalten, Doppelmoral diente als Ventil. Kein Wunder, dass man sich nach grösserer Freiheit sehnte.
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| Grosse Sehnsucht: Bonobos beim sozialen Kontakt. |
Diese Hoffnung oder oft gar Überzeugung, dass früher alles besser war und später alles besser kommt, ist kein Produkt unserer Vernunft. Man findet diesen Spagat schon in der Bibel: Da das Paradies, in welchem - wir sind wieder beim Thema - Adam und Eva ihre Nacktheit als etwas völlig Natürliches empfanden, dort die Verheissung des Reichs Gottes, das da kommen und für Gerechtigkeit sorgen wird.
Ich will nicht lange um den heissen Brei herumreden: Idealistinnen und Idealisten sind mir hochsuspekt. Sie wollen das Gute, schaffen aber das Böse. Ihr Weltbild fusst auf einer grundfalschen Annahme: Unsere Vorfahren haben nie in einer idealen Welt gelebt und unsere Nachfahren werden nie in einer idealen Welt leben. Und wir schon gar nicht. Aus dem einfachen Grund nicht, weil Menschen keine idealen Geschöpfe sind. Der Makel gehört sozusagen zum Wesen des Menschen - Philipp Roth hat darüber einen grandiosen Roman geschrieben. Wer dies nicht akzeptieren will, wird dem Menschen nicht gerecht, überfordert ihn und stürzt ihn mitunter ins Elend.
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| Urvater des Idealismus: Der griechische Philosoph Platon |
Was hat das alles mit "offenen Beziehungen" zu tun? Die Idee, ich gebe es gerne zu, ist auf den ersten Blick verlockend. Denn obwohl verheiratet ist es nicht so, dass andere Frauen als meine Ehefrau keinen Reiz auf mich ausüben würden. Und doch ist die Utopie "Offene Beziehung" eine Überforderung. Warum? In ihrem Kommentar bringt es Poesieunterwegs auf den Punkt:
Für mich wäre es für alle Menschen, egal in welchen Form von Beziehung wir leben, schon eine wunderbare Welt, wenn sie nichts tun würden, was ihren Partner verletzt.
Es würden sich viele Diskussionen und Debatten über Treue, Ehe, Fremdgehen usw. erübrigen, wenn wir nach diesem Grundsatz leben würden.
Das prägende Stilelement solcher Überlegungen ist der Konjunktiv: Würde, wäre, könnte, müsste... Und genau darin liegt das Perfide am Idealismus. Er schürt Hoffnungen, setzt die Menschen unter Druck, anders zu sein (ideal), als sie sind (real), denn nur dann würden ihre Hoffnungen erfüllt. Ein Druck, der die Menschen ins Unglück stürzt, jene Menschen, die sich doch eigentlich nach dem Glück gesehnt hatten.
Denn wir kommen nicht darum herum, in der Liebe auch zu verletzen. Menschen sind nämlich verletzlich, und das ganz besonders in Liebesdingen. In dieser Not sehnen wir uns nach Zweisamkeit, und zwar einer exklusiven. Ganz wichtig: Wer sich diese monogame Beziehung als Ideal vorstellt, setzt schon den Grundstein zum Scheitern. Auch monogame Beziehungen sind unvollkommen, das Versprechen der Treue oft nicht einlösbar, weshalb es oft genug Lüge und Heimlichkeiten braucht, um diese schöne Illusion am Leben zu erhalten und das, was gut ist und gut tut, nicht unnötig zu zerstören.
Es mag jene geben, die nicht wirklich tief empfinden. Sie mögen gegen die Momente des Zweifels und der Trauer immun sein, empfinden aber auch kein Glück und tun anderen Menschen nicht wirklich gut. Viel zahlreicher sind jene, die nur vorgeben, sie seien nicht verletzlich, stünden über den Dingen und hätten sich aus den Fängen von Eifersucht, Unsicherheit und Komplexen befreit und das schiere Glück der Freiheit gefunden. Die meisten von uns aber wissen sehr wohl, dass wir keine idealen Wesen sind.
Für mich wäre es für alle Menschen, egal in welchen Form von Beziehung wir leben, schon eine wunderbare Welt, wenn sie nichts tun würden, was ihren Partner verletzt.
Es würden sich viele Diskussionen und Debatten über Treue, Ehe, Fremdgehen usw. erübrigen, wenn wir nach diesem Grundsatz leben würden.
Das prägende Stilelement solcher Überlegungen ist der Konjunktiv: Würde, wäre, könnte, müsste... Und genau darin liegt das Perfide am Idealismus. Er schürt Hoffnungen, setzt die Menschen unter Druck, anders zu sein (ideal), als sie sind (real), denn nur dann würden ihre Hoffnungen erfüllt. Ein Druck, der die Menschen ins Unglück stürzt, jene Menschen, die sich doch eigentlich nach dem Glück gesehnt hatten.
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| Das Bewusstsein unserer Unvollkommenheit führt uns in die Zweisamkeit. |
Es mag jene geben, die nicht wirklich tief empfinden. Sie mögen gegen die Momente des Zweifels und der Trauer immun sein, empfinden aber auch kein Glück und tun anderen Menschen nicht wirklich gut. Viel zahlreicher sind jene, die nur vorgeben, sie seien nicht verletzlich, stünden über den Dingen und hätten sich aus den Fängen von Eifersucht, Unsicherheit und Komplexen befreit und das schiere Glück der Freiheit gefunden. Die meisten von uns aber wissen sehr wohl, dass wir keine idealen Wesen sind.



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