Freitag, 23. März 2012

Ungerecht, ich weiss....

Lange habe ich hin- und herüberlegt... Soll ich das Post wirklich aufschalten? Schliesslich habe ich mich daran erinnert, warum ich damals zu posten begonnen habe. Ich kann schreiben, was ich will. Ich darf mir Dinge von der Seele schreiben. Ich schicke voraus: Das Post hat keinen aktuellen Anlass. Es berichtet von einer Wunde, die inzwischen vernarbt ist, aber die Narben sind sichtbar und spürbar. Und manchmal entzünden sie sich auch heute noch.

Ich weiss: Alkoholiker und Alkoholikerinnen sind kranke Menschen. Sie können nichts für ihre Sucht. Ihre Sucht führt zur vielleicht tragischsten Sucht überhaupt, dorthin, wo jede Suchtform führt: Zur Selbstsucht. Aber in ihrer Selbstsucht sind sie nicht sich selber - sagt man. Man solle Verständnis aufbringen für Alkoholabhängige. Mitgefühl. Oder mindestens sollte man froh sein, dass die Sucht nicht einen selbst erwischt hat.

Und dennoch gehen mir Alkoholiker gewaltig auf den Sack. 

Ich weiss: Was ich jetzt schreiben möchte, ist politisch höchst unkorrekt. Nicht mitfühlend. Nicht verständnisvoll.

  • Was ist bei Alkoholikern zuerst: Die Sucht nach dem Alkohol oder die Selbstsucht?
  • Ist Selbstzufriedenheit eine Vorbedingung für Alkoholismus?
  • Sind Alkoholiker Menschen, die emotional einfach kleine Kinder geblieben sind?
  • Warum ist es häufig ein Affront, bei sozialen Anlässen auf Alkohol zu verzichten?
  • Warum tragen Leute, die aus Prinzip keinen Alkohol trinken, das Stigma der verbiesterten Spassbremse?
  • Warum gab es in den letzten Jahren einen regelrechten Kreuzzug gegen Nikotin, nicht aber gegen Alkohol? (Ich bin Nichtraucher, nur so zur Info....) 
  • Warum gilt "Mit Mass zu trinken" als salonfähig, nicht aber "Mit Mass zu rauchen"? Oder "Mit Mass Heroin zu spritzen"?
  • Und warum gibt es zum Rauchen und zum Heroinspritzen nicht auch so lustige Sprüche wie diesen.....? 

5 Kommentare:

  1. Guten Morgen,
    ich glaube kaum, dass Verständnis und Mitgefühl die richtige Begegnung für einen Alkoholiker sein können, ganz im Gegenteil, nur habe ich zu Deinen Punkten eine etwas andere Ansicht.
    1. Selbstsucht: Den augenscheinlichen Egoismus vieler Alkoholiker halte ich für eine Nebenwirkung der Sucht, die das Suchtmittel gewöhnlich an die allererste Stelle aller Interessen des Betroffenen stellt. Die Selbstsucht ist da meiner Erfahrung nach sekundär und temporär.
    2. Selbstzufriedenheit: Alkohol und andere Suchtmittel dienen der Erzeugung einer Zufriedenheit, die sonst ungenügend ist. Der Indikator für das Suchtmittel ist also eher zu wenig Selbstzufriedenheit.
    3. Emotionale Unreife: im Sinne von Unsicherheit und mangelnder Selbstliebe ist das durchaus so.
    4. Affront und 5. Spaßbremsung hat meiner Ansicht nach zwei wesentliche Gründe: erstens - wenn ich auf Alkohol verzichte, vermittle ich dem anderen ein schlechtes Gefühl, der ja Alkohol trinken möchte und in seinem Inneren womöglich Gründe hätte, ebenfalls zu verzichten, und zweitens - Alkohol enthemmt, das ist ja der Sinn des Trinkens. Und wer gehemmt bleiben will, ist ein Spielverderber.
    Die letzten drei Punkte gehören wohl auch zusammen: wir nehmen die unterschiedlichen Suchtmittel als unterschiedlich gefährlich für die Gesundheit wahr.
    Heroin (ohne dass ich damit Erfahrung hätte): sehr sehr gefährlich, macht zwingend abhängig, keine Selbstkontrolle, wehe wehe!
    Nikotin (ich bin seit 15 Jahren Nichtraucher): macht sehr abhängig (zeig mir mal einen reinen "Genussraucher"!) ist dreckig und stinkt. Um seine Lunge hat man aber erst im fortgeschrittenen Alter angst.
    Alkohol (ich bin seit 11 Jahren "trocken"): macht immer nur andere Leute abhängig, ich habe alles immer noch "im Griff". Und wo bleibt denn ohne Alkohol der Spaß?
    Gruß JurekP

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  2. Danke für deine wertvolle Rückmeldung Jurek. Ich werde deinen Kommentar noch ein paarmal lesen müssen, damit sich sein Inhalt richtig in mir setzen kann. Eine Frage - vielleicht hilft mir die Antwort: Verstehst du denn unter "Selbstsucht" und "Selbstzufriedenheit" dasselbe? Selbstzufriedene Leute erlebe ich eher als dumpf im negativen Sinn, in sich ruhend im positiven. Hat ein Sowohl-Als-Auch. Selbstsüchtige Leute, ich könnte auch sagen selbstbezogen, erlebe ich als unfähig, ihre Mitmenschen wirklich als autonome Personen wahrnehmen zu können. Alles, was um sie herum passiert, beziehen sie auf sich selber, sachliche Diskussionen sind immer hochpersönlich. Und vor allem: Sie sind immer die armen Opfer, die das Mitleid eben einfordern von ihrer Umwelt.
    Na, ich geb zu, das war nicht wirklich eine Frage.... Trotzdem. Danke für den Kommentar. Er enthält viele Gedanken, die ich so noch nicht gesehen habe und die - wie ich sagte - noch etwas Zeit brauchen, um sich zu setzen.

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    1. Ich unterscheide die Begriffe folgendermaßen

      Selbstsucht: (auch Egoismus) alle Interessen und Handlungen fokussieren sich auf den eigenen Nutzen, andere werden rücksichtslos zurückgedrängt. (dickes Minus)

      Selbstzufriedenheit: (eine Form der ->Zufriedenheit) alle wesentlichen Interessen für die eigene Person sind erfüllt, andere uninteressant. (Minus)

      Zufriedenheit: (Glück?) alle Interessen aller sind erfüllt.(dickes Plus)

      Selbstbezogenheit: (Egozentrik) alles Interesse wird auf die eigene Person fokussiert, andere Interessen werden wahrgenommen und erfüllt, aber wenn sich nicht alles um die eigene Person dreht, ist der Egozentriker enttäuscht.(Naja)

      Selbstliebe: Grundvoraussetzung für die Nächstenliebe und für Selbstannahme, Selbstachtung, Selbstzuwendung, Selbstvertrauen und Selbstwert (ganz dickes Plus) da arbeite ich noch an mir

      Narzissmus: eigensüchtige Selbstliebe (Minus)

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  3. Die Crux ist ja, dass zwischen Selbstliebe (ganz dickes Plus in deinem Wertesystem) und Narzissmus (Minus) drei Stufen liegen (dickes Plus, Plus, na ja), die Trennlinie in der Realität aber sehr fein ist.

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  4. Wie man sich "ganz normal" und gänzlich unerwartet in den Alkoholismus trinken kann, hab' ich mal gebloggt:

    König Alkohol: Der Kontrollversuch ist der Kontrollverlust

    Verständnis für den Süchtigen zu haben, empfiehlt sich im übrigen eher für den eigenen Seelenfrieden. Dem Betroffenen nützt es nahezu nichts - im Gegenteil, auf diese Weise verlängern Freunde und Angehörige oft noch die Zeit des Leidens.

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