Montag, 5. März 2012

Schaler Nachgeschmack

Aus der Debatte über offene und geschlossene - progressive und traditionalistische - polygame und monogame Beziehungen ist bei mir ein schaler Nachgeschmack im Mund, bzw. im Hirn übriggeblieben. Schon lange warten eine Buchzwischenbesprechung (Shantaram Teil 1) und die Fortsetzungsreihe Inventur (Mamma Mia Soundtrack / Adam Ant for Rosalie / usw.). Doch ich habe bemerkt, dass mich das schale Nachgefühl am Weiterschreiben hindert. Eine Weile lang dachte ich: "Castorp, lass sein, gibt nur böses Blut. Die Leute reagieren nicht rational." Doch dann überwog das Gefühl, dass etwas nicht abgeschlossen ist.

Immer wieder lese ich zum Thema "offene Beziehungen" Kommentare, in denen dieser Lebens- oder Liebesweise viel Sympathie entgegengebracht wird, wobei auch Bedauern mitschwingt, dass man selber leider nicht genug Selbstvertrauen und Toleranz besitzt, um eine offene Beziehung auch wirklich leben zu können. Offenbar ist die Versuchung, an ein Versprechen in der Zukunft - an eine eigentliche Utopie - zu glauben für einige zu gross, um sie kritisch zu hinterfragen.



Denn wäre das nicht eine wunderbare Welt? Eine Welt, in welcher wir unsere natürlichen Bedürfnisse ausleben könnten, ohne dem geliebten Lebenspartner etwas verheimlichen zu müssen? Eine Welt, in welcher diesem Partner die gleichen Freiheiten zustünden, ohne dass wir von Eifersucht und Angst geplagt würden? Eine Welt, in welcher der einvernehmlichen Sexualität zwischen Erwachsenen keine Grenzen gesetzt wären?

3 Kommentare:

  1. Ist das jetzt eine Frage?
    Und kann man nicht akzeptieren, dass wir zwar alle auf einer Erde, aber in verschiedenen Gefühlswelten leben?
    "An allen Dingen ist immer ein Haken..." wusste schon meine Großmutter.
    Und wer strebt denn nach einer "wunderbaren" Welt?
    Nicht auf Kosten von anderen zu leben und zu lieben, das wäre schon mal ein Schritt, oder?
    Liebe Grüße,
    Poesie

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Poesie

    Ja, das war durchaus eine Frage. Wahrscheinlich eine überleitende - ins nächste Post, das aber noch eine Weile wird warten müssen. Meine Zeitressourcen sind beschränkt und konkurrieren mit meiner Lust zum Schreiben.

    Ich denke weniger, dass es eine Frage der Gefühlswelten ist, sondern vielmehr eine Frage von Lebenssituationen. Wer als Paar etwa kleine Kinder zu Hause hat und dabei Job und Familie unter einen Hut bringen will, der hat vielleicht weder Zeit noch Lust, mutwillig die Halterungen einer festen Beziehung zu lockern, wenngleich sich das Ganze manchmal eng anfühlen mag.

    Was die Segnungen von polygamen Beziehungen (besser als "offene Beziehungen"?) betrifft, halte ich es nach wie vor mit Goethe: Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

    Ich grüsse dich mit Doppel-S

    Castorp

    P.S. Deinen letzten Satz verstehe ich nicht wirklich. Also, ich verstehe den Satz als solchen schon, aber nicht dessen Zusammenhang mit dem vorher Geschriebenen und Diskutierten.

    AntwortenLöschen
  3. Ja, mir geht es genauso...ich habe so viel Gedanken zu deinen Posts und schaffe es nicht, zu kommentieren. Ich sollte mir Urlaub nehmen!
    Kurz zu meinem Satz:
    Du schreibst von der "wunderbaren Welt".
    Sexuelle Freiheit für alle etc...
    Für mich wäre es für alle Menschen, egal in welchen Form von Beziehung wir leben, schon eine wunderbare Welt, wenn sie nichts tun würden, was ihren Partner verletzt.
    Es würden sich viele Diskussionen und Debatten über Treue, Ehe, Fremdgehen usw. erübrigen, wenn wir nach diesem Grundsatz leben würden.
    Schönen Tag Dir!

    AntwortenLöschen