Mittwoch, 9. Mai 2012

Entzauberung

Kinder der Zukunft. 
Familie Castorp hatte es sich vor dem Laptop gemütlich gemacht. Es liefen die letzten Minuten von "How I met you mother" Staffel 3: Die Platin-Regel. Und da war plötzlich dieses Lied, das mir nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte. Erst fein im Hintergrund, während der Off-Kommentar von Ted Mosby lief - also der Text, den er zu seinen Kindern spricht - aber im Film ist er ja der junge Ted und hat noch keine Kinder, aber egal....

Da war auf jeden Fall dieses Lied. Ich machte, was ich in solchen Fällen immer tue (Plagiat, ich weiss...): Ich starre gebannt auf den Abspann. Doch kein Funken von Information, wie der Song heisst und wer ihn singt. Nur eine ferne Erinnerung wie damals an den Rhinestone Cowboy, eine Melodie, ein Rhythmus, von dem ich nicht sagen könnte, wo und wann ich das gehört hätte. Nur ein vager Schatten einer fernen, längst vergangenen Zeit.

Früher hätte dieser leidend-wohlige Zustand angedauert. Wochen, Monate, vielleicht Jahre. Früher ist man zu Musikhändlern gegangen, wenn einen eine Melodie verfolgt hat und man sie nicht orten konnte, und hat mit Vorsingen versucht. Hmmm.... da komme ich jetzt so nicht drauf, hatte so ein Händler geantwortet. Was war es denn so für eine Richtung? Soul? Blues? Keine Ahnung. Nur das Lied hätte eine ganz eigene, mit Sehnsucht erfüllte Qualität behalten.

Heute war ich in meiner Situation exakt sechs Klicks von der Lösung entfernt. Google starten. "How I met your mother" eingeben. Auf der Wikipedia-Seite die entsprechende Folge ( Die Platin-Regel) anklicken... Fehlanzeige. Probieren wir es mit der englischen Version. Und schon ist es da: The Stairsteps: Oh-oh Child. Ein schöner Song, voller Optimismus.



Nur was war nun im Endeffekt besser? Eine ferne, vage Erinnerung, die sich unverhofft immer wieder mal einstellt oder dass ich den Song jetzt subito auf itunes laden und ihn hören kann, wann immer mir danach ist? Letzteres will mir irgendwie kapitalistisch und gänzlich unromantisch erscheinen.


5 Kommentare:

  1. Früher war nicht alles besser ;-)...
    Auch wenn ich genau diese von Ihenn beschriebenen Gefühle kenne, gerade bei Musik, aber ich bin in den letzten Jahren auf so viele längst vergessene Töne und Songs gestossen...dank Internet.
    Und wenn ich an eine schlimme Kindheitserinnerung denke dann daran, dass ich mal viele Stunden lang versucht habe auf den Namen von Winnetou`s Pferd zu kommen.
    Liebe Grüße

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  2. Tja, wenn man denn Tante Google so leicht fragen kann, ist es ja gut. Was aber macht man, wenn es kein Film war, von dem man durch den Titel usw. das nötige Hintergrundwissen hat, um auf so ein Lied zu kommen? Wenn man nur eine Melodie hört, weiß genau - das kennst du - und dann steht man da? Wahnsinn. Das kann einen in den Wahnsinn treiben!

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  3. Das wäre dann ein Fall für Shazam! Das ist eine geniale App, die man sich aufs Smartphone laden kann. Einfach die App antippen und das Handy möglichst nahe an den Lautsprecher halten und wenn es nicht allzuviele störende Hintergrundsgeräusche gibt, erscheint nach wenigen Sekunden Titel, Interpret, Cover und mit einem Klick könnte man den Song sogar käuflich erwerben.

    Amazing! :-)

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  4. Das App verlangt aber wahrscheinlich schon minimale Sangeskünste. Wenn da jemand notorisch die Töne nicht trifft, dürfte das Smartphone auch am Ende seines Lateins sein.

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    1. Nein! Die App erkennt vor allem die instrumentalen Parts eines Stücks. Gesang ist nicht notwendig.

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