Paul Simon ist in erster Linie nicht Musiker, sondern Poet. Als Poet bewegt er sich naturgemäss sehr nahe an der Musik, weshalb er auch als Musiker eine Weltkarriere machte. Poeten vermögen es, in einem Satz das auszudrücken, wofür unsereins ellenlange Texte aus den Fingern saugt, und doch oft genug scheitert. Paul Simon reichte 1968 ein Satz mit vier Wörtern, um alles zu sagen: Let us be lovers.Das englische lovers ist nur schwer in die deutsche Sprache zu übersetzen. Liebende? Hier stört das von der feministischen Linguistik okkupierte Partizip Präsens irgendwie. (Nein, ich habe nichts gegen Feministinnen.) Liebhaber? Lieb-Haben... klingt zu harmlos einerseits, Liebhaber andererseits assoziiert man gerne mit ausserehelichem Abenteuer. Ausserdem: Ist jetzt da die Frau mit gemeint oder kann es sich bei Liebhabern streng genommen nur um ein schwules Paar handeln? Ah ja: ein Paar! Doch Paare gibt es viele. Beim Eiskunstlaufen, Walter Matthau und Jack Lemon als odd couple - auf Deutsch wortgetreu als seltsames Paar wiedergegeben. Dann eben ein Liebespaar - doch schon stolpert man über das unelegante Kompositum.
Wie einfach hat man es da mit dem englischen lovers! Das Wort bezeichnet zwei Menschen, über welche die Liebe gekommen ist. Lovers: Ein Schleier des Glücks umhüllt die beiden. Sie wissen nicht, wie es über sie gekommen ist, sie sind für eine gewisse Zeit (solange die Verliebtheit hält) absorbiert, von der Umwelt abgeschnitten wie ein Bergdorf nach einem Lawinengang.
Für diese Phase kennt das Englische das schöne In Love. They' re in love. Später dann, wenn sie aus dem Rausch aufwachen, ist da diese Verbindung zwischen den beiden, dieser spezielle Status Lovers, der unabhängig vom Zivilstand besteht.
Das Zauberhafte an lovers ist ja gerade, dass sie durch eine geheimnisvolle Kraft dazu geworden sind, die wir gerne als höhere Macht empfinden. Und genau diesen Zauber zerstört Paul Simon in seinem Satz Let us be lovers.
Denn so etwas lässt sich nicht beschliessen. Man kann beschliessen, sich gegenseitig den Eltern vorzustellen, zusammenzuziehen, gemeinsame Kasse zu machen um damit gemeinsame Möbel zu kaufen, man kann beschliessen, Kinder zu zeugen, zu heiraten, sich scheiden zu lassen.... Aber man kann nicht beschliessen zu lieben.
Und damit sagt Paul Simon in einem Satz schon alles über das Paar, das er im Kopf hat. Es mag sonst alles stimmen, doch diese lovers sind keine. Dass der Satz laut gesprochen schon einen Walzertakt ergibt, ist eine Ironie der Poesie.




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