Donnerstag, 27. Oktober 2011

Sommerzeit - Winterzeit

Als ich 17 Jahre alt und dumm war, ist unser Geschichtslehrer vor die Klasse getreten. In der Hand hat er damals eine Kastanie gehalten. Er war (ist?) der empfindsame Typ, der Softie, mit leiser, hoher Stimme und zweifelhafter Aussprache des Hochdeutschen. So zweifelhaft, dass sie sogar in der Deutschschweiz auffällt. Ein Fressen für uns Jungs damals und eine unausweichliche Aufforderung, ihn in der Pause gandenlos nachzuäffen und uns auf dem Boden zu kugeln vor Lachen. 


"Sähen Sie diese Kaschtanie?"
Nun gut. Er trat also mit dieser Kastanie vor uns und verkündete, dass für ihn der Herbst gekommen sei. Warum? Wenn er die erste Kastanie von Boden aufheben könne, sei für ihn der Herbst da. Wir gehirnamputierten Jungs (wir waren halt unseren pubertären Hormonen hilflos ausgeliefert) warfen uns gegenseitig viel sagende Blicke zu... die Kastanie... sie würde uns noch wochenlang unterhalten. 




Die Abwehrkräfte aktivieren und ab in den Winter!
Inzwischen bin ich älter und weiser geworden. Der Hormonhaushalt hat sich eingependelt und mittlerweile beginnt auch für mich die kältere Jahreshälfte mit einem Ritual. Seit drei Jahren ist es dieser Schmerz am linken Oberarm, der mir anzeigt, dass ich frisch gegen Grippe geimpft bin. Diesen spezifischen Impfschmerz verbinde ich mit dem Gefühl, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist und ich mich auf die Winterhälfte des Jahres einstellen muss. 




Montreux im Frühling. Charles Chaplin schaut nach Frankreich.
Ich kürze in meiner privaten Jahreszeitenrechnung die Winterhälfte etwas ab. Im Februar, wenn das Licht der Sonne wieder wärmer und intensiver ist, erwerbe ich mir bei meiner Wohngemeinde eine Tageskarte, fahre damit nach Montreux am Genfersee und nachher quer durch die Schweiz, durch die noch verschneiten, von der intensiven Februarsonne beschienenen Voralpen bis nach St.Gallen, 


Das ist dann für mich der Beginn der Sommerhälfte des Jahres. 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen