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| Auf dem Weg zu sich selber. James Wilby als Maurice Hall |
Im Post Erotik reloaded habe ich dann in der Form eines fingierten Interviews versucht zu ergründen, welche Gedanken zum Thema Erotik bei mir angestossen waren und nun - Billardkugeln gleich - in meinem Kopf (also, der Kopf wäre dann der Billardtisch, ich weiss, das Bild hängt nun langsam etwas schief) umherrollten. Vollmundig versprach ich dann in einem Kommentar eine Typologie der Erotik, will sagen: nichts weniger als einen systematischen Überblick über die zwei sich gegenüberstehende Konzepte davon, was man als erotisch versteht.
Vereinfacht könnte man sagen, dass es um das Spannungsfeld zwischen Blümchensex und Hardcoreporno geht. Aber das wäre zu kurz gegriffen. Der Hauptunterschied liegt meines Erachtens darin, dass bei der expliziten Erotik - wie ich es nennen möchte - eine erotische oder erotisierende Wirkung ausdrücklich intendiert ist, während bei der impliziten Erotik das Erotische mitschwingt. Aber wie es sich für eine Typologie gehört, unternehme ich nunmehr den Versuch, die Unterschiede der beiden Erotikkonzepte einander systematisch gegenüberzustellen.
Die explizite Erotik
a. Als Erotik intendiert und inszeniert.
b. Rollenhaft
c. Die erotische Interpretation wird dem Betrachter aufgedrängt.
d. Den Menschen rein körperlich darstellend, auf primäre Geschlechtsmerkmale fokussiert.
e. Zielorientiert (Aufbau des Geschlechtstriebs, Befriedigung des Geschlechtstriebs)
f. Der Mensch ist aus anderen Kontexten losgelöst.
g. Idealisierend
h. Typisiert
i. Mechanisch
j. Suchtähnlich, das heisst: Die Wirkung verpufft mit der Zeit, die Dosis erhöht werden
k. Fetischiert
l. narzisstisch
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| Jill allein in Sweetwater |
Die implizite Erotik
a. Nicht als Erotik intendiert und inszeniert.
b. Authentisch
c. Der Betrachter entdeckt die Erotik selber.
d. Den Menschen als Ganzes darstellend, auch den Körper als Ganzes.
e. Ohne vorgegebenes Ziel
f. Der Mensch ist ein in seinen verschiedenen Kontexten komplexes Wesen.
g. Realistisch
h. Individuell
i. Organisch
j. Nachhaltig
k. Mensch im Zentrum
l. harmonisch
Interviewer: Es gibt also eine schlechte und eine gute Erotik?
Castorp: Das will ich so nicht sagen. Aber es gibt Tendenzen in unserer Gesellschaft, die Kreativität und Individualität zurückdrängen.
Interviewer: An Stelle von?
Castorp: An Stelle von Konsum und Uniformität. Und davon ist auch die Erotik nicht verschont.
Interviewer: Sie haben zwei Fotos aus Filmen zur Illustration herangezogen.
Castorp: Genau. Aus Maurice und aus Once Upon A Time In The West. Filme erzählen uns etwas über Menschen, auch wenn es ein fiktive Menschen sind. Klar sieht Claudia Cardinale auf dem Foto auch objektiv gesehen gut aus. Aber die Erotik geht von der Rolle aus, die sie hat.
Interviewer: Jill, die ehemalige Prostituierte, die sich allein in einer Männerwelt durchsetzt.
Castorp: So ist es. Oder Maurice, der gegen die strengen Konventionen der Gesellschaft seine Homosexualität auslebt und damit zu sich selbst findet.
Interviewer: Während Hugh Grant als Clive sich selbst in den Konvetionen verliert.
Castorp: Ja, das ist eine Geschichte. Eine erotische Geschichte.
Interviewer: Was meinen Sie in der Typologie mit idealisierend?
Castorp: Das Körperliche hat in der expliziten Erotik makellos zu sein. Das drückt sich etwa im grassierenden Porno-Schick aus, dass Körper enthaart sein müssen, vor allem bei den im Fokus stehenden Geschlechtsteilen. Was man dann nicht sieht, sind zum Beispiel die Pickel vom Rasurbrand.
Interview: Erotik ist doch aber körperlich. Ohne schöne Körper keine Erotik.
Castorp: Ich sage ja auch nicht, dass die explizite Erotik keinen Wert hat. Aber das Körperliche ist in den letzten Jahren überwertig geworden. Diese stete Beschäftigung mit dem eigenen Körper! Und dann stets defizitorientiert: Da ist die Nase zu lang, dort der Busen zu klein, da ist wieder ein Bad-Hair-Day, hier sind die Beine zu dick. Ich kann es nicht mehr hören!
Interviewer: Da erinnere ich mich an an frühes Post über die Miss Schweiz.
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| Verschobene Wahrnehmung: """Dicke""" Oberschenkel bei Miss Schweiz |
Castorp: Genau. Die Beine seien "gräuslich", wurde da kommentiert. He, das sind ganz normale Frauenbeine! Endlich mal bei einer Misswahl, bin ich versucht zu sagen.
Interviewer: Wie erklären Sie Überwertigkeit des Aussehens?
Castorp: Ein Schuss ins Blaue: Der Versuch, von innerer Leere abzulenken.
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| Innere Leere? |























































